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Und die Stadt wächst

Autor(en): Moira Wolfsfell

Die Arbeiten waren im vollen Gange. Das Hämmern und Sägen der Menn, die das Fundament für den neuen Wachturm legten und die ersten Holzbalken in die richtige Form zimmerten, hallte wider in den Straßen der Studur. Stolz blickte ich vom Dache meiner Gaststätte über das immer größer und eindrucksvoller werdende Ulfurstud. Hier die Reparaturwerften Thorwalds, dort das Handelshyrd Jedder van Dijks, dann der Thingplatz mit dem Höfthingrathyrd, von dessen Fenstern man geradewegs auf die Heiligen Runensteine blicken konnte. Der Blick dorthin war etwas vernebelt, denn die Schwitzhütte war in vollem Gange. Dies wunderte mich, da die Studur bisher nicht allzuviele Besucher verzeichnete, doch dann entsann ich mich der vielen schwer arbeitenden Menn und Kunnyren, deren Muskeln ein Met-Aufguß sicher wahre Wunder der Entspannung tun würde. Meine Gedanken schweiften ab und ich überlegte, wann der Arzt, Dentist und Chirogos Julien Devereux wohl eintreffen würde. Seine Apotheke war bereits errichtet, die vielen Regale, die er verlangt hatte, eingebaut. Sicher würde er sich der Blessuren, Krankheiten und Schmerzen der Einwohner Ulfurstuds gerne annehmen. Ich hoffte nur, daß seine Erwartungen bezüglich der Einnahmen nicht allzu hoch waren. Man würde sehen. Am Horizont war ein riesiges Skepp zu sehen. Ich hoffte auf Siedler aus der Alten Welt, denn sie waren es, welche die Studur zu Wohlstand und Reichtum und mir zu meinem ersten Zahn verhelfen würden. Wenn ich daran dachte, wie das alles hier noch vor einigen Monaten ausgesehen hat: Ein Tal wie aus Silber geschmiedet, glänzend der Fluß in der Sonne, der Schnee auf den Bergen. Die Ebene wie Gold, schimmernd im Abendrot. Ich war ein wenig bedrückt, da die Natur der Studur weichen mußte, doch erkannte ich gleichermaßen, wie wichtig sie war. Die meisten Bäume hatte ich stehen lassen, zum Ärger der Bauarbeiter, die sich mit ihren breiten Karren durch die schmalen Gassen quälen mußten. Doch es bedeutete mir viel, daß die Heden, kamen sie wenigstens einmal im Jahr in ihre Studur, sich hier wohlfühlten.

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