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Des Braumeisters Tod
Autor(en): Moira Wolfsfell
Es war noch dunkel, als ich erwachte. Ein Gefühl der Angst hatte sich in meinem Bauch ausgebreitet, und mein Herz pochte wie ein liebestoller Holzwurm. Meine Stirn war von Schweiß bedeckt, und ich brauchte eine kurze Weile, bis sich meine Gedanken ordnen wollten. Mühsam und umnebelt schlug ich das Fell zur Seite und rollte mich seitlich aus dem Bett. Als ich auf dem kalten Boden saß und die eisige Luft um meine Hüften spürte, kam ich allmählich zu mir. Ich stand auf und ging hinüber zu meinem Waschzuber. Meine Augen waren noch halb verschlossen und vom Schlafe verklebt, und so war es eine weniger erfrischende als ernüchternde Erfahrung, als meine Stirn wuchtig auf die Eisdecke schlug, die sich über Nacht auf dem Wasser des Zubers gebildet hatte. Ein stechender Schmerz durchzog mein Haupt.
Mit dem Ellbogen zerschlug ich die faengdicke Eisschicht und stuk meinen Kopf in den Zuber. Die Kälte des klaren Wassers schoß durch ihn hindurch: Ein Druck, als ob ein trächtiges Jakhweibchen sich auf meinem Kopf niederläßt - ein Stechen wie von 500 kleinen Dolchen, die sich in die Schläfen bohren.
Herrlich erfrischt und mit pochend heißem Gesicht setzte ich mich hinüber auf meine Schlafstatt.
Was war es gewesen, das mich mitten in der Nacht hochschrecken ließ? Ich erinnerte mich nur dunkel an einen furchtbaren Traum von Feuer, Qualm und Geschrei. Besorgt stand ich auf und zog mich an.
Ich hockte mich an die Feuerstelle meines Raumes und dachte noch eine Weile über den unheilvollen Traum nach, doch konnte ich die Bilder der Nacht nicht mehr zurückholen. Ich schürte das Feuer und stellte eine Kanne mit Wasser auf die Glut. Mein edler Werir hatte mir von seinem letzten Besuch an der Blymströnder - und es würde wohl vorerst sein letzter bleiben - einen Sack gerösteter Schwarzbohnen mitgebracht. Der anfangs eigentümliche und bittere Geschmack wurde mir bald zu einem nicht missen wollenden Muntermacher. Ich warf die Bohnen in das kochende Wasser und erfreute mich an seinem weichen, exotischen Geruch. Nun goß ich den Trunk in einen Holzbecher, um mein gutes Horn nicht der Hitze auszusetzen, zog ein Fell von meiner Schlafstatt herab, um mich darauf niederzulassen und ließ das schwarze Zeug genüßlich meine Kehle hinuntergleiten. Welch eine Wohltat! Ich seufzte leise und atmete schwer und tief. Als das Zittern meiner müden Hände nachgelassen hatte, stellte ich den Becher auf den Boden ab und beugte mich nach vorn.
Grisgrim. Ich schaute lächelnd in das glimmende Feuer. Mein Werir, nein er hatte es nicht leicht. Die Blymströnder, die er so tapfer verteidigt hat, wie er erzählt, seine Heimat, ward ihm von den Einhörnern geraubt worden! Nie hätte ich auch nur einen Gedanken daran verschwendet, Grisgrim einmal länger in Waligoi zu sehen, als notwendig! Doch nun...
Fast täglich sah ich ihn die Straßen Ulfurstuds entlang schlendern, immer nörgelnd und schimpfend. Ob es die lautstarke Schmiede neben dem Gasthaus war, die ihn störte, die Entfernung zwischen Schwitzhütte und Höfdhingrathhyrd oder die zwischen Hafen und Marktplatz. Selten noch erfreute er sich an den Schönheiten, die diese Studur zu bieten hat. Doch früher oder später würde er sich an den Gedanken gewöhnt haben, die Blymströnder verloren zu haben...und bis dahin müßte ich ihn wohl täglich von seinen schlechten Launen abzulenken versuchen.
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