Der erste Besuch des Werirs in Ulfurstud III
Autor(en): Grisgrim
Was für ein warmer Empfang an einem so kalten Tag. Die Bewohner Ulfurstuds feierten sich, die Heden und ja, ein kleines bißchen auch den Werir. Voller Stolz führte mich Moira durch die Stadt der Heden, und ich brachte es nicht übers Herz, ihren berechtigten Stolz zu bremsen. Was wußte schon diese Unfreie von den Sorgen des Werirs? Von der Uneinigkeit des Höfdhinbgrates bei der Werirwahl, von den Kriegsvorbereitungen und dem wachsendem Interesse der Jarkhane an dieser kleinen blühenden Stadt. Weckte doch dieser Erfolg Begehrlichkeiten. Ich sah schon den Jarkhan die Steuergelder zählen. Was würde der weise und eher behäbige Höfdhingrat zu dieser Geschwindigkeit sagen? - Doch für trübe Gedanken war auch noch später Zeit. Erst wurde gefeiert, wie es nur Heden können. Yakhmilch, Met und natürlich Hedensaft ließen die Leute ihre Sorgen vergessen, und selbst die Gastarbeiter aus Lesvod durften an den Feiern teilnehmen... mit gewissen Einschränkungen ...Viel ungewohnte Arbeit wartete auf den Werir...
Das Haus des Werirs würde bestimmt dereinst eine dem Amte würdige Repräsentanz der Heden werden. Momentan war es eine Großbaustelle, bei der einige Leute versuchten anderen zu erklären, wie irgend etwas zu errichten sei; und das in mehr Sprachen, als ich jemals gehört hatte. Zum Glück hatte der Raum des Werirs schon eine Tür. Tür? Naja eben eine Tür...
Drinnen stand ein eilig zusammengezimmerter Tisch, auf dem eine Menge Papier lag. Allesamt mit den krakeligen Runen beschriftet, wie Moira sie schrieb. Nachdem ich mich an die Schrift gewöhnt hatte, fiel mir vor Staunen fast die Kinnlade herunter: Jedder ter Cordhes wollte ein Kontor eröffnen, ein gewisser Makor von den Korsaren erkundigte sich nach einer Botschaft! Die Carhuun wollten eine Enklave/ Botschaft errichten, sogar ein Naturgeist erkundigte sich nach der Möglichkeit eine Kurtisanenschule für Nymphen zu eröffnen! Hmmm Kurtisanen? Naja schaden könnte es bestimmt nicht..
Doch dann wurden die kühnsten Erwartungen übertroffen.
Thorwald adhalsmannr, der Högret Wali, wollte ein Handelshaus und/oder eine Gaststätte eröffnen.
Ich nahm den Siegel des Werirs und besiegelte Kaufverträge, Mietverträge, Handelsbriefe und schrieb meinen Namen in walischen Runen - bis meine Schrift anfing, unsauber zu werden und mich die Unruhe packte und mein Weg mich zum "plappernden Wolf" führte. Dort wartete schon warmer, würziger Met auf mich.
Es formte sich ein schreckliches Wort, was ich noch nie gehört hatte, auf meinen Lippen: "Bürokratie"
Ich spie es aus und nahm einen tiefen Schluck.