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Es juckt so schön

Autor(en): Julien Devereux

an die regierende Bürgermeisterin der freien Stadt Ulfurstud, Moira Wolfsfell
und den Kommandanten der Blumenküstenwache a.D., Grisgrim

beide Verantwortung tragend für die Wohlfahrt der Bürger in Ulfurstud!



Edle Dame, hochverehrter Herr,

seit einigen Tagen stellten sich bei mir in der Praxis Siechen vor, deren Ananmnese gar seltsame Befunde ergaben. Personen, bisher strotzend vor bester Gesundheit, klagten gar plötzlich über Hautausschläge, juckende und/ oder nässende Exkzeme, extreme Pustelbildung über weite Teile des Körpers, sowie konnte ich eine höchst bedenkliche äußerst schmerzhafte trockene Borkenbildung beobachten.

Aufgrund der drastisch veränderten klimatischen Bedingungen, hier an diesen namenlosen Gestaden, an welche uns unser Schicksal verschlagen hat, dachte ich zunächst an eine mir unbekannte, exotisch-geheimnisvolle Seuche, die unter den Bewohnern grassiere - vielleicht hervorgerufen durch den Kontakt mit der hiesigen Fauna und Flora, vielleicht als Folge des nun viel leichter einsetzenden Verderbs unserer Vorräte.

Zu Letzt blieb mir nur noch ein Blick in die okkulten Schriftrollen der berühmten Naturforscher, Antropologen und Heilkundlichen Hepha und Thitis, welche ich - wie Ihr es ausdrücken würdet - "Hoeggr sei Dank!"- nach langer, eindringlicher Suche stolz mein Eigen nennen darf.

Doch selbst unter Pestilenz, Cholera oder Diphtherie fand ich keine Hinweise, nicht einmal die Diagnose Mandelinkontinenz oder Haarquasteninfekt schien passend. Ich war schon ganz ratlos, als es meinem geliebten Frédéric gelang, eines der befallenen Opfer zu überzeugen, sich einer ausgesprochen schmerzhaften und psychisch sehr belastenden Behandlung zu unterziehen.

Doch diese Anstrengungen waren nicht vergebens! Es freut mich, Euch, hochgeschätzte Moira, Euch, tapferer Grisgim, hiermit das Ergebnis meiner Untersuchung mitteilen zu können: nicht Lepra oder Aussatz, nicht einmal die Krätze hat die Bewohner dieses schönen, aufstrebenden Städtchens befallen, ganz im Gegenteil.

Alchimistische Analysen der abgeschabten Borkenstücke haben ergeben, dass es sich hierbei lediglich um ein ausgehärtetes Gemisch aus abgestorbenen Hautschuppen, lebender und abgestoßener Körperbehaarung, Dreck und dem bisher zur Pflege der Haut und zum Schutz gegenüber der Kälte eingesetzten Fischtranes handelt. Ich konnte keinen über den Normalbefund hinausgehenden Parasitenbefall feststellen.

Aus diesem Grund bitte ich Euch, als der von Euch für die Gesundheit der Bevölkerung beauftragter Medicus, einen Erlass zu erteilen, auf das die weitere Benutzung von Fischtran zur Hautpflege unverzüglich einzustellen sei. Auch das Einpudern mit dem feinen weißen Sand, der am Ufer gefunden wird, ist zu ab sofort unterlassen.

Statt dessen empfehle ich allen Bewohnern der Stadt dringendst ein ausgiebiges Bad in den warmen Gewässern vor unserer Stadt, kombiniert mit einer effektiven Seifen-Bürsten-Abreibung, um so auch die hartnäckigste Plaque zu beseitigen.

Des weiteren bitte ich Euch, Kontakt mit dem Frysen Jedder van Dycke aufzunehmen, um bei seinem nächsten Besuch in der Stadt neben den dringend benötigten frischen Lebensmitteln auch ausreichend Wurzelbürsten und Kernseifenstücke zur Verfügung zu haben.

Im Bewustsein, dass Ihr derzeit an vielen Fronten zu kämpfen habt,
verbleibe ich mit besten Grüßen und der Hoffnung auf die wiederkehrende Volksgesundheit

Euer

Julian Devereux
Pharmacist, Dentis und Chirurgos