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Botschafter gesucht!

Autor(en): Moira Wolfsfell

Es war einige Wochen her, seitdem ich ein - sagen wir - kriegerisches Gespräch mit einem alten Mannr hatte, der mir weismachen wollte, daß es keine gute Idee gewesen wäre, eine Studur zu gründen. Doch gewitzt, wie eine Stadthalterin sein muß, schaffte ich es, ihn durch schlaue Worte und treffende Argumente vom Gegenteil zu überzeugen.
Ich mußte grinsen, als ich an unser Gespräch dachte, an die Hunren mit Yakhmilch, die wir nach unserem Zwist gemeinsam tranken. Doch nun hatte ich andere Sorgen, die mir das Lächeln wieder nahmen:

Meine Schritte hallten durch die Straßen des Botschaftsviertels, welches mich an die kargen Ebenen Mir-Waligois erinnert: Es war kühl und menschenleer. Der Werir hatte erwartet, daß sich hier vielleicht einige Vertreter aus fremden Völkern niederließen, doch er hatte sich geirrt. Die einzigen Bewohner des Viertels waren Ratten und Tauben, die sich in den Löchern und Spalten der Holzhyrden einnisteten. Dabei waren die Hyrden gut gelungen! Ich selbst hatte die Anweisungen zum Bau des Botschaftsviertels geleitet, hatte mir über Lage und Größe Gedanken gemacht und mich schon innerlich auf die ersten staunenden Besucher gefreut. Doch die Masten für die Flaggen oder Schilde, die über den Botschaften hängen sollten, standen starr gen Himmel und erinnerten mich nun an Gräten eines toten Fisches.
Ich öffnete die Tür zu einem der Botschaftshyrden. Ein feuchter, schimmliger Geruch stieg mir in die Nase. "Kein Wunder", murmelte ich müde in mich hinein, und öffnete die Fensterläden, um die kühle Luft in das muffige Hyrd zu lassen. Ich ging zur Feuerstelle und schob mit dem Fuß das naßgewordene Stroh zur Seite. Dann griff ich in die Kiepe auf meinem Rücken und zerrte etwas frisches und trockenes Stroh heraus, welches ich sogleich an der Feuerstelle zum brennen brachte. Die Hyrden waren solide gebaut, das hatte ich selbst gesehen. Doch aufgrund des feuchten und kalten Klimas konnte niemand verhindern, daß die feuchte Seeluft zwischen den Holzstämmen und -pfählen hindurchkroch und das Holz stockig und schimmlig werden ließ. Sorgsam untersuchte ich die Wände auf schwarze oder grüne Flecken, konnte aber - Höggr yrr takkret! - noch keine ausmachen. Nach einer halben Stunde, in der die Luft warm und trocken geworden ward, löschte ich das Feuer, schloß die Fenster und verließ das Hyrd, um die gleiche Prozedur bei den anderen Gebäuden zu vollziehen.

Ich überlegte, wie lange ich diese Arbeit wohl noch verrichten würde, bis der erste Botschafter sein Hyrd bezog und selbst, indem er dieses heizte, die Nässe aus den Wänden trieb.