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Des Braumeisters Tod
Autor(en): Moira Wolfsfell
Ich erreichte das Hyrd des verstorbenen Braumeisters und seiner Witwe wenige Zeit später. "Försakret! Wie hieß er noch?" murmelte ich und ärgerte mich, daß ich Grisgrim nicht danach gefragt hatte. Ruhig aber bestimmt klopfte ich an den Türrahmen. Als ich auf ein wiederholtes Klopfen keine Antwort bekam, sah ich mich um, zog das Fell zur Seite und betrat das Hyrd.Im Hyrd war es düster, und es roch nach feuchtem Holz. In der Feuerstelle brannte kein Feuer und ich ging hin und hielt meine Hand an die Asche. Sie war kalt. Seine Kunnyr war vermutlich bei Freunden oder Geschwistern, die ihr halfen, über den Tod ihres Mannr hinwegzukommen. Ich schaute mich um: Das Bett war recht schmal und diente sogleich als Schlafstätte wie auch als Sitzgelegenheit. An seiner Seite stand ein Tisch, auf dem mehrere leere und halbvolle Krüge mit Met standen und einige Teller mit Essensresten. Es wunderte mich, daß ein so gut verdienender Mannr in so einer kleinen Hütte wohnte. In der hintersten Ecke des Raumes befand sich eine Truhe. Mein Herz pochte, fühlte ich mich doch als Einbrecher, als jemand, der nicht hier sein dürfte. Doch schließlich wollte ich nur herausfinden, weshalb der Braumeister sterben mußte! Also stöberte ich munter weiter. Ich hob die Felle der Schlafstätte hoch und schaute, ob etwas darunter verborgen war. Nichts. Dann bückte ich mich und schaute unter das Bett. Außer Spinnweben gab es dort nichts, was hätte wichtig sein können.
Als ich mir die Truhe genauer ansah, fiel mir sogleich das metallene Schloß auf, welches den Inhalt verbergen wollte. Mühsam begann ich, mit der Spitze meines Dolches in dem Schlüsselloch herumzustochern, doch es brachte nichts. Kurzerhand nahm ich meine Axt und schlug das Schloß entzwei. Ein stockiger, feuchter Geruch von alter Kleidung strömte mir entgegen, als ich den Deckel anhob. Alles war ordentlich zusammengelegt und zeugte von einer Ordnungsliebe, die ich beim besten Willen nicht im Rest des Hyrd finden konnte. Als ich einige sorgsam zusammengefaltete Kleidungsstücke aufhob, entdeckte ich dabei eine hölzerne Schatulle, die unter ihnen lag. Ich öffnete sie und blieb wie vom Blitz getroffen stehen. Was war das? Im großen und ganzen sah es nicht anders aus als die Schriftstücke, die Grisgrim verfaßte. Namen mit Zahlen, kleine Rechnungen am Rand des Papiers und Namen von Handelsgütern. Aber was, vid Skaeggr yr Wali, waren das für seltsame Handelsgüter? War das erlaubt? Ich brauchte nicht lange, um zu verstehen, was ich in der Hand hielt: Der Braumeister war ein Schmuggler. Er hatte den Jarkhan um wertvolle Steuern betrogen und sich selbst damit bereichert. Blieb nur die Frage, wer die Menn waren, die Ulfurstud in ihre verbrecherischen Handlungen verstrickten.
In diesem Moment hörte ich Schritte, die sich von draußen näherten. Blitzschnell warf ich die Schriftrolle zurück in die Truhe, ließ mich fallen und rollte unter das Bett, um nicht bei meiner nicht gerade offiziellen Durchsuchung ertappt zu werden. Im nächsten Augenblick hörte ich auch schon, wie jemand gewaltsam das Tür-Fell zur Seite zog und das Hyrd betrat. Ich spürte fast, wie seine Blicke den Raum durchschnitten, Scheibchen für Scheibchen wurde er zerlegt und abgeschätzt. War der Mannr allein?
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