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Des Braumeisters Tod

Autor(en): Moira Wolfsfell

Ich hatte keine Angst, mich zu rühren - niemals! - doch lag ich so ungünstig auf meinem rechten Arm, daß ich einerseits genau in die falsche Richtung, also gegen die dunkle Wand blickte und andererseits meine Hand begann, einzuschlafen. Würde er mich hören, wenn ich mich jetzt umdrehte? Nur ein klein wenig. Nur so weit, bis ich wußte, wer er war und das Kribbeln in meiner Hand nachließ.
Dann hörte ich, wie er mit großen Schritten den Raum durchmaß und wieder stehenblieb. Ein Klappern war zu hören, weshalb ich annahm, daß sich der Einbrecher an der Truhe, an der ich soeben gestanden hatte, zu schaffen machte. Ich hatte jetzt genug. Mühselig drehte ich meinen Körper auf den Rücken. Ich vermied jedes Geräusch, sogar, als ich entdeckte, daß es sich eine dicke Spinne genau über meinem Gesicht an der Unterseite des Bettes gemütlich gemacht hatte. Normalerweise wäre ich mit einem Sprung der Gefahrenzone entkommen, hätte wenigstens ein leises, unterdrücktes Quietschen von mir gegeben. Doch nicht jetzt und nicht hier. Ich drehte meinen Kopf zur Seite und sah gerade noch, wie sich zwei mit großen, goldenen Schnallen verzierte Stiefel auf mich zu bewegten, stehen blieben, um dann aus meinem Blickfeld zu verschwinden. Als der Mannr das Hyrd wieder verließ, hörte ich nur noch das Wischen des Fells. Dann war es, Höggr yrr takkret, wieder ruhig.
Erleichtert stöhnte ich auf und kroch aus meinem Versteck hervor. Wer ist das gewesen? Ich huschte zum Fenster. Schob vorsichtig die Lederbespannung zur Seite. Niemand war zu sehen. Ich schaute mich im Raum um und sah die offene Truhe: Ein kurzer Blick auf das Durcheinander im Innern sagte mir, daß der Mannr, der eben noch wenige Faeng von mir entfernt gestanden hatte, die Truhe durchwühlt haben mußte.
Er hatte die Schriftrolle, die ich noch eben in den Händen hielt, mitgenommen - das sah ich sofort. Weder das Gold, welches in einem Beutel in der Truhe lag, hat ihn geschert, noch die teuren Kleidungsstücke. Nach einer kurzen Weile gab ich auf, zu grübeln, wer dieser Mannr gewesen sein konnte.
Außerdem hatte ich eine Stinkwut auf mich. Nie konnte ich mir auch nur einen Namen merken! "Moira, erinnere Dich", brabbelte ich still vor mich her. Doch es half nichts. Kein einziger Name, der auf der Liste stand, wollte wieder in meinen Kopf zurückkehren. Ich hatte sie scheinbar alle durch die Unordnung, die dort drinnen herrschte, verscheucht.
Enttäuscht verließ ich das Hyrd, nicht, ohne vorher noch zu prüfen, ob mich jemand beim Verlassen dessen beobachten könnte.

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