· 23 · 24 · 25
Windspiel
Autor(en): Moira Wolfsfell
Folglich gedankenlos, stahl ich mich aus der Umarmung des Baumes und kämpfte mich durch die Windböen zum Spiegel-See. Ich zitterte am ganzen Körper, meine Kleidung war naß und teilweise schon gefroren und bot nur wenig Schutz vor der Kälte, die mich umgab. Immer näher kam ich dem See, wußte schon gar nicht mehr, weshalb ich dieses absurde Ziel gewählt hatte. Die Gedanken sind frei. Hatte ich denn überhaupt die Wahl? Doch eher die Qual, entschied ich, und meinem Hirn entsprang ein genervtes Seufzen.
Just in dem Moment, da ich am See angelangte, und mit der Spitze meiner Sandale den Rand des Wassers berührte, erstarb der Wind. Die Luft um mich herum wurde wärmer, und die Sonnenstrahlen schienen doppelsinnig sowohl vom Himmel, als auch vom Wasser zu kommen. Ich zog beeindruckt meine Sandalen aus und badete ein wenig meine Füße im See.
Das Wasser fühlte sich weich und warm an.
Kurz darauf stand ich auch schon knietief im lauwarmen Nass, meinen Rock auf der Hüfte gerafft. Wenn ich an mir herabschaute, konnte ich meine Beine nur bis zur Wassergrenze sehen, alles, was darunter lag, war nicht mehr da. Stattdessen starrte mich mein Spiegelbild verwundert an und zwinkerte. Auch jetzt war die Oberfläche glatt. Keine Welle konnte ich schlagen, keine Unruhe bringen. In absoluter Harmonie tauchte ich tiefer hinein, ließ meinen Rock hinabgleiten und schwamm in regloser Natur, in völliger Gleichgültigkeit, im Innern meines Ruhepols.
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