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Moiras Enzy

Autor(en): Moira Wolfsfell

Kapitel 14

Es war schwer, mich wieder von meiner Sippe zu trennen, vor allem von Thoran, den ich schon in wenigen Tagen und Nächten an meiner Seite vermissen würde. Ich würde das Tal vermissen, seine weiß duchzogenen Wiesen, die hohen Berge und steilen Felsen, die mächtigen Bäume, deren starke Arme mir ein Gefühl der Sicherheit und Heimat gaben.
Doch es gab kein Zurück mehr. Ich mußte fort, egal wohin - alleine sein, zu mir kommen. Wieder zog es mich zum Hafen nach Boras, denn zu vergessen war am leichtesten weit weg von Zuhause, auf der weiten See, deren Unendlichkeit mich immer aufs Neue faszinierte.
Zum Abschied hielt Thoran meine Hand. Wir schworen uns, daß wir uns in diesem Tal eines Tages wiedersehen würden. Wann, das würde niemand wissen, doch daß es geschehen würde, war unumgänglich.

Ich hatte Glück, denn nach einigen Wochen lief ein Schiff ein, welches mich den langen Weg vom endlosen Ozean im Est von Waligoi über den Hymir bis nach Ranabar fahren sollte. Ich verließ mich auf dieses Glück, und erwartete von Hyldir, daß Sie mir den rechten Weg weist.
An Bord der "Bylgjanbrytr" waren Menn, die ihr Heim verlassen hatten, um ihren Kunnyren und Barningen eine reiche Beute nach Hause zu bringen. Die Stimmung war berauschend. Der Met floß in Strömen, ausgelassen feierte man schon jetzt die erfolgreiche Plünderung Ranabars. Doch wie auf allen Hymirfahrten konnte ich auch in diesen Tagen keinen Gefallen an dem Angriff finden.

Meine Traurigkeit verflog, als ich am Bug des Schiffes eine Gruppe Menn sah, die ein Würfelspiel spielten. Schnell schluckte ich die Erinnerungen meines letzten Würfelspiels herunter und begab mich zu den Menn. Viele von ihnen besaßen wertvolle Waffen, Felle und Schmuck, die sie bereitwillig einsetzten. Zu Beginn setzte ich gesalzenes Jakhfleisch ein, für die Menn, die seit langer Zeit nicht mehr in den mirischen Ebenen gewesen waren, ein Gaumenschmaus. Ich gewann in den ersten Spielen eine große Axt, ein echtes Wolfsfell, einen bognarischen Bogen mit zehn Pfeilen und Zucker, den ich, gerade hatte ich ihn gewonnen, sofort verspeiste. Ich war bereit, zu siegen. Der Würfelbecher machte die Runde, und ich würfelte. Und verlor. Die Axt, den Bogen, die Pfeile und das Fleisch. Als ich erkannte, wie mich das Spiel erneut gefesselt, als ich mich erinnerte, wieviel ich beim letzten Mal verloren hatte, gebot mir mein innerster Stolz, mit dem Spiel aufzuhören. So waren mir zwar die Blicke der Mitspieler, die mehr verspielt hatten als ich, feindlich gesonnen, aber ich konnte als Trost einen Wolfspelz den meinen nennen.
Die bösen Blicke währten nicht lange, denn der Met tat, wofür er gebraut wird und machte die Menn ruhig und schläfrig.

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