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Windspiel

Autor(en): Moira Wolfsfell

Da seid ihr ja! Försakret, ich habe euch gesucht!" Tyggris stolperte mir entgegen und rief mir aus einiger Entfernung her zu:. "Weshalb seid ihr denn weggelaufen?"


"Ich? Ihr wart es doch, der seine Beine in die Hand nahm und mit denselben abdampfte!"
Endlich erreichte er mich, erwiderte aber nichts darauf, weil er Atem schöpfen mußte.
"Wir sollten uns wirklich auf die Fußlappen machen", sagte ich deshalb zögerlich. "Ehe hier noch mehr geschieht."
Der Byrdmannr schaute mich wissenden Blickes an und nickte. "Dann los."


Wir wanderten eine Zeit lang inmitten mannreshoher Getreidehalme und schlugen uns - ohne auch nur ein Wort zu wechseln - einen Weg hindurch. Ich ließ Tyggris vorangehen, nicht, weil ich etwas von altmodischer Rollenverteilung hielt, sondern einfach, um mir seinen knackigen Hintern einmal genauer anzuschauen.


Schließlich gelangten wir an eine große, saftige Wiese, in welche seltsame Schneisen geschlagen waren. Wege, denen wir folgen sollten? Zufällig abgefressene Gänge seltsamer Tiere? Zuerst dachte ich an einen großen Wagen, einen Schlitten, der durch das Gras gezogen worden sein mußte, wunderte mich jedoch über das hübsche, silbrige Schimmern, das von dem Weg ausging. Sehen so etwa Silberminen aus? Ich hatte noch nie eine zu Gesicht bekommen, schob den Gedanken aber unmittelbar beiseite, da Tyggris noch ruhig neben mir stand. Wenn es Silber wäre, hätte er wohl auch einen Freudentanz hingelegt. Oder mir eins über den Schädel gezogen, um das alles für sich zu behalten. Er tat es nicht.
Ich bückte mich also, um mich näher mit den umgeknickten Halmen und dem Glitzerzeug befassen zu können und befingerte es ohne es wirklich zu begreifen..


"Bäh! Was ist das?" rief ich von Ekel übermannrt aus. Der Weg war über und über mit Schleim überzogen! Kein Silber, kein glitzerndes Wunderzeug! Eistrollsordinärer Schneckenschleim! Und zwar so dick und saftig, daß sich mein Zeigefinger, mit dem ich das silberne Zeug berührt hatte, nicht mehr lösen konnte. Zäh und klebrig zog ich die Masse auseinander, zog Fäden - endlich zog auch ich mal die Fäden - fand mit einem Mal Gefallen daran, hob meine Hand nach oben, blickte durch das durchsichtige Element, staunte und stutzte, als ich durch die schleimige Fläche hindurch am Horizont einen kleinen, schneckenförmigen Schatten erblickte, legte meinen Kopf schief, zog den Schleim weiter auseinander, die seltsame Schnecke wurde kleiner, zog ihn zusammen, sie wurde größer. "Tyggris, schaut mal!" rief ich heiter, zog hier den Schleim nach oben, dort wieder zusammen, um immer wieder neue Bilder dieser kleinen Schnecke entstehen zu lassen.


Tyggris schaute nur an meinem fröhlichen Schleimgebilde vorbei. Aber auch er legte den Kopf schief.
Plötzlich schlüpfte mir der Schleim von meinem Finger, und ich sah die kleine Schnecke...



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