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Des Braumeisters Tod

Autor(en): Moira Wolfsfell

Die Sonne stand mittlerweile hoch am Himmel, ich fand, es war Zeit für ein Hunr Hedensaft. Also ging ich frohgemut zurück in den "Plappernden Wolf", der immer noch einzigen Gaststätte Ulfurstuds. Ich kann nicht sagen, daß ich als Inhaberin nicht erfreut über diesen Status gewesen wäre, schließlich bedeutete dies konkurrenzloses Arbeiten, doch wäre mir selbst eine kleine Abwechslung hin und wieder willkommen. Die Hoffnung blieb, eines Tages verschiedene Gaststätten in der Studur zu finden, deren Speisenvielfalt sich weit über das erstreckte, was ich aus verschiedenen Gegenden Waligois mitgebracht hatte. Da gab es Fladenbrád, Kohlkrykk, Fiskurglibbur, Tudfrukkrykk und Rádkrottkrykk - alles vorzügliche und, entgegen Devereux Meinung, sehr bekömmliche Gerichte! Ich war sehr stolz, daß auch einige meiner Ideen vom Küchenchef übernommen wurden. Irgendwann würden die walischen Rezepte in einem Schriftstück erscheinen, um für die Ewigkeit die Genüsse Waligois zu erhalten, dessen war ich mir absolut sicher.
Das Schild des "Plappernden Wolfes" hing windschief über der Eingangstür. Eigentlich war dies nicht so gedacht gewesen, doch nachdem die Befestigung einmal an der rechten Seite gerissen war, empfand ich die Schräglage und die damit verbundene Andersartigkeit als gar nicht mehr so übel. Ich öffnete die Tür des hölzernen Hyrd und ging hinein.
Meine Blicke schweiften durch den Raum. "Ah", dachte ich laut "Mittagspause!" Der Laden war so voll wie ein Skepp nach der Hymirfahrt. Obwohl nicht so ausgelassen wie abends, zog sich dennoch ein fröhliches Gemurmel durch den Raum und füllte diesen mit einer unschuldigen Stimmung. Ich beobachtete, wie Isagra Hunren mit Met füllte. Ihr Blick war müde und leer und erst jetzt wurde mir klar, daß sie der Tod des Braumeisters sehr belastete. Vielleicht gab es dafür eine Erklärung...
Ich kannte Isagra als ausgelassen und stark, immer zu einem Spaß bereit. Wie oft hatten wir bereits nach wenigen Tagen, da sie in dieser Gaststätte arbeitete, gemeinsam den edlen Werir Grisgrim zur Weißglut getrieben, mit ihm unsere Spielchen gespielt! Und wie selten habe ich im Anschluß daran - dank ihrer Besonnenheit und unnachahmlicher Herzensgüte - keinen Ärger mehr bekommen! Ich war begeistert von dieser Kunnyr, die jedem Trost schenken und selbst niemandem etwas zuleide tun konnte.
Als sie mich sah, lächelte sie schuldbewußt, was mich in meiner Annahme bestätigte, daß die Beziehung zwischen dem Braumeister und ihr nicht ganz so unschuldig war, wie sie mir zuvor glauben machen wollte. Ich ging an den Ausschank und zerrte zwei Hocker in die hintere Ecke des Gasthyrd. Isagra nickte ich derweil mit hochgezogener Augenbraue auffordernd zu, neben mir Platz zu nehmen. Schüchternd und unsicher schlurfte sie herüber und setzte sich.
Als ich fragend den Kopf schieflegte und sie aufmunternd anlächelte, grinste sie mich einen Deut zu breit an. "Isagra", fragte ich ruhig, "erzählt mir über Bráthord. Sicher kanntet Ihr ihn gut! Ich vermute sogar, sehr gut!" In diesem Augenblick schoß mir ein Gedanke durch den Kopf: Isagra, eine hübsche, wenn auch recht runde Kunnyr hat sich auf eine Liebesnacht mit dem Braumeister eingelassen. Seine Kunnyr hatte dies herausgefunden. "Eifersucht!" rief es laut in mir. Welch entzückendes Motiv für einen Mord.

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