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Und die Stadt wächst

Autor(en): Moira Wolfsfell

Die Sonne schien warm auf die Studur herab, und der liebliche Duft der Yakhmilch, der aus meiner Gaststätte drang, umnebelte mich in einer sanften Brise. Ich zwinkerte und legte mich am Rand des Hyrds auf den Bauch, so daß ich vom Dach hinab auf den Boden schauen konnte. Es wimmelte von Menn, die Holz und Steine transportierten, weitere, die mit einem Karren Fässer und Korn durch die Straßen schoben und wieder andere, die müde und abgekämpft scheinbar auf dem Wege nach Hause waren. Ein kleines Barning zog ein hölzernes Jakh an einer langen Schnur hinter sich her und strahlte dabei wie ein Rugbraud-Jakh. Ich überlegte, weshalb wohl noch niemand einen Wolf auf Rädern geschnitzt hatte, allmählich wurden diese Jakh-Spielzeuge doch wirklich langweilig. Und da kam mir die Idee: Spielzeug aus Ulfurstud! Holz-Wölfe an Schnüren, natürlich mit dem Studur-Wappen und einem Schriftzug abgebildet! Und weshalb nur für Kinder? Weshalb sollten wir nicht Trinkhörner anbieten, auf denen das Wappen ist? Oder Kerzen? So würde die Bekanntheit unserer Studur steigen, man würde diese Dinge in die ganze Welt hinaustragen und bei den Menschen, die noch nichts von dieser erfahren hatten, Interesse wecken! Ich würde diese Idee meinem Werir vortragen, sobald in Ulfurstud ein wenig Ruhe eingekehrt ist und die gröbsten Bauarbeiten sich gelegt hätten. Wie lang würde es noch dauern, eh der letzte Stein gelegt, der letzte Balken gehoben und das letze Hyrd belegt? Ich schloß die Augen und versank in den kleinen Träumen einer großen Zukunft. Im nächsten Augenblick passierte es schon. Rücklinks fiel ich vom Dach, auf dem ich doch eben noch so gemütlich gelegen und geträumt hatte. Ein Brett hatte sich mit lautem Knarren an der Seite gelöst und mich, benebelt und orientierungslos, mit in die Tiefe gerissen. Nun, ich gebe zu, daß es so tief nicht war, dennoch war der Aufprall mehr als unsanft. Scheppernd krachte ich auf eine leere Tonne, die ich zuvor für den ABfall, nicht aber für meinen eigenen Fall gedacht hatte, fiel zusammen mit ihr und den Dreck um und rollte einige Fotyren auf dem harten, gefrorenen Boden. Übel angeschlagen und überrascht wie ein Jakh, welches man mit einer Steinschleuder zu erlegen versucht, blieb ich liegen. Die Leute der Studur blieben einen Moment verwundert stehen, gingen dann aber weiter ihrer Arbeit nach. Daß mir niemand beim aufstehen half, versicherte mir ein erstes Mal: Ulfurstud war auf dem besten Wege, sich zu einer unpersönlichen Großstudur zu entwickeln. Die Freude währte nur kurz, da einen kurzen Augenblick später ein räudiger Köter stehenblieb und Anstalten machte, an der umgekippten Tonne, an der ich lehnte, seinem Bedürfnis nachzugehen. Ich scheuchte ihn fort und rappelte mich stöhnend auf. Wieder schweiften meine Gedanken ab, wieder überlegte ich, wann Julien Devereux wohl eintreffen würde. Hoffentlich bald.