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Des Braumeisters Tod
Autor(en): Moira Wolfsfell
An meinem Schwarzbohnentrunk schlürfend stand ich auf und setzte mich an den Tisch vor dem mit Fellen verhängten Fester meiner Hütte. Müde zog ich das Fell zur Seite und starrte hinaus; mein Blick schweifte über den Gyldurfjord in die Ferne. Die Sonne kündigte sich am Horizont mit goldenen Strahlen an, und der immer heller werdende blaue Himmel ward durchzogen von rosaroten Wolken, die schwerelos auf der See zu ruhen schienen. Die kalte Luft zog durch meine Hütte und brachte mich - trotz heißen Schwarzbohnentrunks - zum Frösteln.
Ich stand auf, warf mir meinen schweren Umhang um die Schultern und ging hinaus auf die Straße, auf der um diese frühe Morgenstunde noch kein Mensch zu sehen war. Ich genoß die Stille um mich herum und bemerkte kleine Schneehasen, die sich am Wegesrand versteckten. Der Wind pfiff durch meine Kleider, und ich war froh, als ich nach kurzer Zeit die Hedensaftbrauerei und mit ihr, den Stadtkern erreichte.
Plötzlich wurde ich von einem dumpfen Grollen überrascht. Ein scharfer Rauchgeruch stieg mir mit einem Mal in die Nase und ich schaute mich verwirrt um. Als mein Blick zur Brauerei ging, sah ich gerade noch, wie das mit Reisig bedeckte Dach plötzlich in Flammen aufging und in sich zusammenbrach.
Dunkle, panische Schreie folgten diesem Unglück aus dem Inneren der Brauerei, bis schließlich Flammen aus den Fenstern schossen. Es knisterte und grollte, es schien, als würde das Hyrd dumpfe Flüche ausstoßen, als würde es mich auffordern, ihm zu helfen...
Mein Herz raste, und mein Mund stand - zugegebenermaßen nicht gerade damenhaft - weit offen. Wenige Augenblicke später hatte ich mich von der Ohnmacht befreit; ich sprang zur Tür und riß sie auf.
Heißer Wind schoß mir ins Gesicht und nahm mir für einen Augenblick den Atem.
Vorsichtig tastete ich mich durch die verqualmten Räume. Flammen züngelten an den Wänden entlang und die Hitze brachte mich zum Schwitzen. Ich dankte Höggr dafür, daß ich beim Bau der Hedensaftbrauerei dabeigewesen war und alle Winkel der Brauerei kannte. Durch das schwere Rauschen des Feuers meinte ich, verschiedene Stimmen zu hören, von Menn und Kunnyren, die vor der Brauerei standen. Ich erhob meine Stimme und rief: "Hilfe! Holt Wasser und löscht das Feuer!". Dann wartete ich kurz ab und lauschte. Die Stimmen waren verstummt und ich hoffte inständig, daß sie mein Schreien vernommen hatten und bereits auf dem Weg waren, Hilfe zu holen. Jemand mußte etwas gegen dieses alles verschlingende Feuer tun!
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