Frei!
Autor(en): Moira Wolfsfell
Der Abend war wunderschön. Menschen aus aller Menn Länder trafen ein, brachten Geschenke und Spezialitäten aus ihrer Heimat mit, amüsierten sich und freuten sich auf einen Abend, der schon jetzt versprach, unvergleichlich zu werden.Der Ghodi Pardur weihte den Thingplatz - das Thing konnte beginnen.
Nachdem der Thingkan gesprochen hatte, zweimal die Götter nach für mich recht unwichtigen Dingen befragt wurden, der Werir Grisgrim seine zahlreichen Herausforderungen an Walis und Nicht-Walis bestätigen mußte, der rásturd Jarkhan von einem erfolgreichen Kampf mit Istrollen zurückgekehrt war, die walischen Barden "Brandpfeil" einige vorzügliche Lieder zum besten gegeben hatte, nachdem also alle ihren Spaß gehabt hatten, brachte die gute Victis erneut ihre Fürsprache vor: Würden die Götter gnädig entscheiden? Würde ich nun endlich frei werden?
Mein Herz klopfte so laut, daß ich dachte, jeder Mannr und jede Mys im Saale würde dies mitbekommen.
"Moira Wolfsfell", klang es mir eindringlich in den Ohren, "sagt Ihr uns nun, weshalb Ihr meint, aus dem Stand der Unfreien erhoben und zur Fylgdarkunnyr ernannt zu werden."
Ich bin mir nicht mehr sicher, was ich dort erzählte. Die Menn und Kunnyren um mich herum starrten mich an. Der ein oder andere nickte mir aufmunternd, mit einem Lächeln auf den Lippen zu und bestärkte mich in meiner Rede.
"...Ich denke also, ich hätte es verdient, einen Zahn verliehen zu bekommen!"
Stille schwebte über dem Saal. Ein einzelner Angstschweißtropfen entrang sich meiner Stirn und lugte vorwitzig unter meinem Helm heraus. "Was nun?" dachte ich dumpf und harrte aus.
Der Ghodi trat in die Mitte des Raumes, ging in die Knie und erbat die Götter um ihr Urteil. Sogleich warf er die Runen und wartete. Und wartete. Und wartete.
"Försakret! Wie lange braucht der dazu?" dachte ich noch entgeistert, als das Zittern in meinen Beinen begann, sich auf Oberkörper und Kopf zu übertragen.
Pardur erhob sich: "Die Runen sind eindeutig!" rief er.
"Moira Wolfsfell soll in den Stand einer Fylgdarkunnyr erhoben werden!"
Frei! Ich war frei! Den Göttern sei Dank!
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