Seite: 1 · 2

Die verlorengegangene Zeremonie

Autor(en): Ulrike Peter

Die Erzählerin:
vom Bühnenrand langsam zur Mitte schreitend

"Herrschende Magiras, verehrte Anwesende, ich bin aus den Weiten der Yddia hier an diesem geweihten Orte erschienen, um euch von einer gar seltsamen Begebenheit zu berichten.

Vor einigen Tagen, da ich lustwandelte im Garten der Sphinx, begegnete mir ein völlig aufgelöster Jüngling, schön von Gestalt, anmutig gar, doch seine Augen überzogen vom Schleier der Angst.

'Mein Hyrd', rief er, 'mein Haus' - wie ich sehr wohl verstand, 'meine Studur' - 'meine Stadt'... 'wo bin ich? Alles ist mir so fremd...'

Vorsichtig näherte ich mich ihm. Sanft legte ich meinen Arm um die zitternde Gestalt um ihm Schutz an zu bieten, und da brach es aus ihm heraus."

Auf der anderen Bühnenseite erscheint Moira, die Stadthalterin Ulfurstuds, den Stadtschlüssel in der Hand und heftig gestikulierend.


Die Erzählerin:

"Und so berichtete er mit bibbernder Stimme, dass die "Gefolgsleute von Sonne und Mond" - die Synarchen - ihr Auge auf die Stadt am Gyldurfjord geworfen hätten. Seit diesem Zeitpunkt hätte sich nun so vieles in ihrem Leben verändert. Rechts sei nun Links, und es gäbe so viele neue und unbekannte Dinge zu bestaunen - Farben, Geräusche, seltsames Getier und Gewächs machten ihnen die Orientierung schwer, und zu guter Letzt, wären auch noch die toten Dinge in sich selbst gespiegelt worden."


Moira:
noch immer wild gestikulierend

"Dieser Werir! Försakret noch mal eins, Hymmur, Söbur urd Snurn! Der bringt mich hier noch auf die Palisade! Nichts kann ich ihm recht machen!"

Aus dem Schatten des Bühnenrandes treten die drei Synarchen in esranischer Gewandung, Assassinen gleich, und schleichen sich unbemerkt von hinten an ihr wehrloses Opfer.


Moira:
(kreischend, schimpfend)

"Vid Hoeggr, lasst die Finger von mir!!!"


Sie schlägt mit dem Stadtschlüssel um sich, bis er ihr entgleitet. Darauf habe die Synarchen gewartet und werden den schwarzen Umhang über die wild gestikulierende und mit Flüchen um sich werfende Stadthalterin und zerren sie von der Bühne.


Die Erzählerin:

"Mich dauerte der arme Jüngling, weshalb ich ihm nochmals meinen Schutz und sicheres Geleit zurück zu meiner geliebten Schwester, der Sphinx, anbot - nicht ohne ihm zuvor meine liebevolle Anteilnahme zu spenden."


Der auf der Bühne liegende Schlüssel wird von Der Erzählerin entdeckt und aufgehoben.


Die Erzählerin:

"Oh, welch niedliches Kleinod in meiner Hand."

Während sie daran schnuppert:

"Nun, ein wenig streng riecht es schon .... so nach Tran, Fisch und vor allem ...Wolf."

Sie entnimmt ihrer Handtasche ein Fläschchen mit einer geheimnisvollen Essenz und sprüht den Stadtschlüssel damit ein.

"Ah", ruft sie verzückt, "das ist Synarchie... Dies sollte ich unbedingt gleich zu Myriadus bringen."

Sie geht von der Bühne ab.