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Des Braumeisters Tod

Autor(en): Moira Wolfsfell

Isagra richtete sich auf und machte Anstalten, zu protestieren, unterließ es dann aber, vermutlich ob meines finsteren Blickes. "Er war ein guter Mannr", wiederholte sie ruhig. "Er hat es nicht verdient, daß sein Leben der Öffentlichkeit preisgegeben wird!"
Ich deutete ihren Blick als den einer Kunnyr, die schon lange Zeit ein Geheimnis hatte, welches sie mit niemandem teilen konnte. Innerlich triumphierend verfolgte ich nun meinen Weg. "Erzählt mehr!"
"Es ist noch nicht allzu lange her, daß Bráthord zum ersten Mal den "Plappernden Wolf" besuchte", begann sie. "Er wirkte damals niedergeschlagen und traurig, also setzte ich mich damals zu ihm und er erleichterte seine Seele..."
"Seine Seele?" unterbrach ich laut, und meine Stimme veränderte sich zu einem widerlichen Quietschen. Ich wußte, es war mehr dahinter. Hah! Das mußte es sein! Ich kniff die Augen zu fiesen Schlitzen zusammen und hauchte mit dunkler Stimme: "So fahrt fort..."
Isagra war unterdessen mehr als verunsichert. "Er, er..." stotterte sie, "...er erleichterte seine Seele, indem er mir erzählte, daß einer seiner Söhne bei der Schlacht um die Blymströnder sein Leben verloren hatte."
Ich sah sie an. Ich hatte mich vermutlich geirrt. Nichts an ihren Worten, ihrem Blick und ihrer Haltung sprach davon, daß sie lügen könnte. Ihre Augen hatten sich gerötet, und ich mußte nicht erraten, daß es sie sehr schwer traf, darüber zu reden. Beschämt schob ich den aufdringlichen Gedanken, die Kunnyr Bráthords hätte ihren Mannr aus Eifersucht getötet, bis auf weiteres zur Seite.
"Nun, auch mein Sohn hat in dieser Schlacht sein Leben gelassen." Eine Träne rollte an ihrer Wange herab.
Mein Mannr kam mit diesem Schicksal, seinen einzigen Sohn verloren zu haben, nie zurecht, so daß ich eine unendliche Dankbarkeit gegenüber Bráthord empfand. Wir unterhielten uns lange über unsere Söhne, und das half uns schließlich, über den Schmerz ein wenig hinwegzukommen."
Im nächsten Moment sackte ihr Kopf in ihre Hände, und sie begann, verzweifelt zu weinen. Ihr Körper zuckte bei jedem Schluchzen, und ich fühlte mich elend und ohnmächtig. "Isagra", murmelte ich nur unsicher, doch trösten konnte ich sie nicht. Hymmur, söbur, snur! Ich hasse es, wenn jemand vor mir in Tränen ausbricht! Ich legte meine Hand auf ihre Schulter und klopfte ihr leicht auf dieselbe. Nach kurzer Zeit hatte sie sich wieder beruhigt und schaute mich nun aus tränenverschleierten Augen an: "Bitte Moira, findet den, der ihm das angetan hat! Ich habe nun zwei Menschen verloren, die ich sehr geliebt habe."

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