Lost in Spheres
Autor(en): Moira Wolfsfell, Grisgrim
"Sieben Augen!" hatte sie gerufen, "SIEBEN!"Vor einigen Tagen war Isagra in die Gaststätte gestolpert, verschwitzt und völlig außer Atem. Eine Strähne ihres dunklen Haares hatte auf ihrer Stirn geklebt, und ihr Gesicht ward so bleich gewesen wie ein Totenschädel eines Hordlings.
Ich hatte sofort von dem Hunr abgelassen, welches ich gerade in einer Tonne mit Wasser wusch, und war zu ihr gehuscht. In der letzten Zeit war der "Plappernde Wolf" stärker besucht gewesen, als die Monde davor, vielleicht, weil sich die Leute in ihrer Verzweiflung lieber an Hedensaft und andere geistreiche Getränke hielten, als sich um ihre Sorgen zu kümmern. Dies war wohl auch der Grund, weshalb nicht nur ich, sondern ein Dutzend anderer Menn zu ihr gestürzt kamen. Ich war an die Seite gedrängt worden und hatte nur leise etwas von den Worten mitbekommen, die Isagra, noch immer atemlos, von sich gegeben hatte: "Es waren mindestens hundert von ihnen! Sie hatten mich umringt..."
Ein Zwischenruf: "Wer war es? Wo warst DU?"
"Ich... ich...", hatte sie gestottert, "ich war vor der Studur, draußen, im Nor."
Ein Raunen im Raum. "Bist Du verrückt?"
"Ich dachte, ich versuche es einfach mal, ein Stück Land zu bestellen. Ich glaubte den Erzählungen nicht."
Ein alter Mannr, der etwas abseits an einem Tisch sitzengeblieben war, hatte sich lautstark geräuspert. Ich hatte mich umgewandt und ihn fragend angeschaut.
Sein Haar war weiß wie Schnee (den ich im Gegensatz zu vielen anderen Dingen keineswegs vermißt hatte!), und die tiefen Furchen in seinem Gesicht waren Zeugen seines hohen Alters. Seine Augen waren trüb, und ich hatte vermutet, daß er blind war. "Dort draußen herrscht das Chaos." hatte er ruhig, doch mit kräftiger Stimme gesagt. "Sie werden keine Ruhe geben, bis sie einen jeden von uns haben."
Wissend hatte er genickt, sich umgedreht und sich wieder seinem Met zugewandt.
Eiskalt war es mir den Rücken hinab gelaufen. Was, wenn er recht hatte? Was, wenn dort draußen wirklich das Böse war? Was, wenn wir die Studur niemals wieder verlassen dürften?
Die Furcht hatte tief in meinen Gliedern gesteckt..
Nun, als ich wieder an die Geschichte dachte, bekam ich es erneut mit der Angst zu tun. Aber wie sollte ich den Leuten Mut machen, wenn ich mich selbst wie ein Häufchen Elend fühlte?
Vielleicht müßten wir alle von diesem Ort fliehen. Nicht über Land, sondern über das weite Meer. Irgendwohin. Die Meere schienen sicher zu sein, denn gab es einige wenige, die hinausfuhren, um Fiskuren zu fangen. Sie waren gemachte Leute und konnten die mittlerweile zu Luxuswaren gewordenen Tiere teuer verkaufen. Alles war rar geworden, was früher so normal gewesen ist. Alles, bis auf Hunyng und Hedensaft, denn sowohl die Imkerei als auch die Hedensaftbrauerei standen unverändert und produktiv inmitten der Studur.
"Wir hassen Hedensaft!" riefen die Stimmen vom ehemaligen Thingplatz hinauf.
Försakret: Das ging nun wirklich zu weit. Unzufrieden zu sein war eine Sache, das höggrurd Getränk zu verabscheuen eine andere!
Ich sprang auf und beugte mich aus dem Fenster.
"Dann TUT doch endlich etwas, ASKARD!"
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