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Des Braumeisters Tod

Autor(en): Moira Wolfsfell

"Tyggris, nehme ich an?" rief ich ihm zu, als er noch wenige Fotyren von mir entfernt war.
"Ganz recht." Seine Stimme war tief und männlich, und paßte zu seiner wahrlich hübschen äußeren Erscheinung. Als er nun direkt vor mir stand, sah ich, daß er einen silbernen Ring durch seine rechte Augenbraue gestochen hatte. Verwundert schaute ich mir das genauer an. Vermutlich hatte er auf seinen weiten Reisen mit der Blymströndervördur viele Länder bereist, und aus eigener Erfahrung wußte ich, daß fremde Sitten einen besonderen Reiz besaßen. Gerade, als ich mir klar darüber wurde, daß ich ihn eine ganze Zeit lang angestarrt hatte, verzog sich sein Mund bereits zu einem breiten Grinsen, das niedliche Grübchen auf beide Seiten seines Gesichts zauberte.
Um nicht zu seufzen oder auf eine andere Art seltsam aufzufallen, räusperte ich mich und stellte mich vor:
"Moira Wolfsfell - Ich möchte Euch einige Fragen stellen!"
"Geht es um den Braumeister, der letzte Nacht verstorben ist?" brummte er mit dunkler Stimme. Vid Höggr, was für eine Stimme!
"Nun, ja, genau", stammelte ich. "Der Flutydlydrar teilte mir mit, daß er Euch den Befehl erteilt hatte, den Leichnam aus der Brauerei zu schaffen."
"Das hat er. Doch ich habe es nicht getan. Keordis bedeutete mir, er würde dies in die Hand nehmen, schließlich kannte er Bráthord von früher. Ich ließ ihn gewähren, denn ich wollte nicht im Wege stehen, wie zwei Freunde voneinander Abschied nehmen."
"Keordis", wiederholte ich, damit ich mich später noch an den Namen erinnern konnte. "Wer ist dieser Keordis?" Eigentlich war mir das völlig egal. Doch ich brauchte einen Grund, um unser Gespräch zu verlängern. Wer weiß, ob Tyggris nicht schon in den nächsten Tagen das Land verließ!
"Er ist einer der Byrdlydraren der BKW." Er wartete einen Moment. Als ich ihn nur verträumt anblickte, fuhr er fort: "Er ist schon lange hier. Hat wohl auch seinen Sohn dazu gebracht, zur BKW zu gehen, aber der ging beim letzten Kampf um die Blymströnder drauf. Was da genau vorgefallen ist, weiß ich nicht. Ich bin erst seit zwei Monden hier."
"Das ist tragisch", murmelte ich, und löste mich von seinem Blick, um wieder klar denken zu können. "Wer, meint Ihr, könnte mir da helfen?"
"Ich denke, einer der rásted Byrdmenn. Einer, der beim Kampf gegen die Einhörner dabeigewesen ist."
"Vielleicht könntet Ihr mich zu ihm bringen?" fragte ich, eigentlich nur, um mich bei ihm einzuhaken und noch einige wenige romantische Augenblicke mit ihm zu verbringen. Doch er antwortete: "Leider nein, werte Kunnyr. Ich muß schnell zurück zu meinem Dienst. Ich darf den Wachturm nicht verlassen, und nun sitzt ein anderer an meiner Stelle dort oben. Vergebt mir." Er nahm meine Hand und gab mir einen flüchtigen Kuß auf dieselbe. Ich schmolz dahin. Es war mir doch egal, ob da oben auf dem Wachturm jemand vermoderte! Doch Tyggris war bereits auf dem Weg zurück. Er winkte einem anderen jungen Mannr zu, der uns die ganze Zeit beobachtet zu haben schien. Dieser hob zustimmend den Kopf und kam auf mich zu. "Lust auf einen Rundgang?" fragte er aufmunternd. "Gerne!" antwortete ich, doch im Geist fügte ich still hinzu: "Aber nicht mit Euch, vid Tyggren!"

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