Vollmond über Ulfurstud
Autor(en): Stefan Vandenberg
Eine nächste Welle von Krämpfen durchzuckte sie. Mit weit aufgerissenen Augen beobachtete sie, wie sich ihr Bauch rhythmisch hob und senkte. Mit stetiger Mächtigkeit schwoll ihr Leib an. Wieder Devereux, wieder der Godhi, nun auch noch die schemenhaften Umrisse ihrer verstorbenen Patronin, die sie einst selbst in der Heilkunst unterrichtet hatte. Ihr gefüllter Bauch, hart und glänzend, hatte beträchtlich an Umfang zugenommen.Die ihr unbekannten Frauen sammelten sich in einer Ecke des Zimmers und begannen, in einer ihr unbekannten Sprache zu singen. Die Melodie - fremdartig doch auch auf sonderbare Weise vertraut - wirkte beruhigend auf sie ein. Von weitem glaubte sie die Stimme ihrer Patronin zu vernehmen. "Letitia, Letitia, meine Tochter, folge Deinem Weg! Es liegt nun an Dir. Folge Deinem Weg!".
Noch bevor Letitia über die Worte nachdenken konnte, wurde ihr Körper abermals von Krämpfen durchflutet. Ein heißes Gefühl stieg in ihr auf. Schmerzerfüllt spreizte sie ihre Beine und zog die Oberschenkel an sich heran.
"Pressen, pressen!", die Stimmer Devereuxs erfüllte ihr Ohr. "Ihr habt es gleich geschafft." Fréderic, der Gehilfe, tupfte ihr sanft über die schweißnasse Stirn. "Neeeiiin, neeeiiin!, schrie sie, "egal was es ist, es soll endlich raus". Doch die Frucht war noch nicht reif. Weiter und weiter wuchs ihr Leib.
"Geduld, Letitia. Nicht mehr lange...!", besänftigte sie Devereux. "Wir warten nur noch auf ...." Sie hörte seine letzten Worte nicht mehr. Ein helles Licht beleuchtete ihre Lagerstätte. Der zweite Mond hatte sich zum ersten Vollmond gesellt und beide standen nun einträchtig wie ein Zwillingspaar nebeneinander.
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