· 23 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29 · 30 · 31 · 32 · 33 · 34 · 35 · 36 · 37 · 38
Des Braumeisters Tod
Autor(en): Moira Wolfsfell
Mein Gegenüber hatte schütteres, rotes, wild vom Kopf abstehendes Haar und sein Gesicht war, wie man es oft bei Rothaarigen sieht, über und über mit kleinen, hellbraunen Flecken besät. Wenn er grinste, und genau das tat er in diesem Augenblick, verzog sich sein Mund breit von einem Ohr zum anderen.Er führte mich durch ein kreisrundes Tor in den Hof der Anlage, und ich war beeindruckt von so viel baulichem Geschick. Vor allem die geschwungenen Dächer der zahlreichen Gebäude faszinierten mich. An deren Ecken bildeten filigran geschnitzte Holztiere, wie Drachen, Pferde oder Fische den Abschluß: Die Arbeiten waren perfekt.
Die Wände der Hyrden waren aus Holz. Manche waren in einem warmen Rotton gestrichen, was zusammen mit der gelben Farbe der Außenmauern ringsherum eine angenehme Stimmung schaffte. In die üblichen rechteckigen Fenster wurden hier mit wunderschönen Ornamenten verzierte Holztafeln eingesetzt, die genügend Aussparungen besaßen, so daß man hindurch sehen könnte, wenn die Lederbespannungen zur Seite gezogen würden. Ich staunte mit offenem Mund.
"Aolaiischer Baustil", verriet mir der Soldat wissend. "Das war die Idee des Flutydlydrar."
Ich bemerkte einen leicht abschätzenden Ton bei dem, was er sagte, doch konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man eine solch exotische Baukunst anders als wunder-wunderschön empfinden konnte. Also ignorierte ich ihn und begann, ihm die Fragen zu stellen, die mich beschäftigten.
"Ihr ward beim Kampf um die Blymströnder dabei?" fragte ich ruhig, aber direkt.
"Ja", antwortete der Rotschopf knapp. Eine kurze Pause entstand.
"Nun, was ist dort geschehen? Tyggris sagte, daß der Sohn Keordis' beim Kampf gefallen ist."
"Nicht er allein."
Ich mußte ihm tatsächlich die Worte aus der Nase ziehen, also erdachte ich mir Fragen, für die ein einfaches "ja" oder "nein" nicht ausreichen würde: "Was ist dort passiert? Und - könnt ihr mich zu Keordis bringen?"
"Kann ich. Und was die Blymströnder angeht, kann ich Euch folgendes sagen..."
Ich überlegte noch, ob ich ihn unterbrechen sollte, um mich zu Keordis bringen zu lassen, doch im nächsten Augenblick fuhr er auch schon fort: "Fünf Skeppen lagen vor der Küste. Im Bug des Skepp, auf dem Keordis, sein Sohn und 24 Menn waren, brach plötzlich ein Feuer aus. Wir beobachteten, wie die Besatzung versuchte, es zu löschen, doch alle Versuche waren vergebens. Als dann noch die Flotte der Einhörner erschien, konnten auch wir nichts mehr tun. Zu weit voneinander entfernt standen unsere Skeppen, als daß unsere Onager etwas hätten ausrichten können. Das Skepp sank mit Mannr und Mys. Nur zwei Menn konnten sich retten: Der Smutje, der schon kurz nach Ausbruch des Feuers von Bord sprang und Keordis, der seit diesem Tage, als er seinen einzigen Sohn verlor und selbst dieses Unglück überlebte, nie wieder zur See fuhr."
"Wie hieß dieser Smutje?" fragte ich unbedarft.
"Bráthord. Der zweite Überlebende war Bráthord."
Gerne würde ich sagen, daß sich allmählich die Teile des Rätsels zusammenfügten, doch - Askard! - ich war verwirrter denn je zuvor. Ich versuchte, meine Gedanken zu ordnen, als ich, mich artig bei dem rothaarigen Soldaten bedankend, den Außenposten der Blymströndervördur wieder verließ.
Bráthord, der Braumeister, war einst unter walischer Flagge gesegelt - Soldat der Blymströndervördur und im Kampf um die Blymströnder dabei. Keordis ward in dieser Zeit Byrdlydrar des Skepp. Im Bug des Skepp brach ein Feuer aus und tötete die gesamte Besatzung außer Bráthord und Keordis. Ein Gedanke schoß mir wie ein zuckender Blitz durch den Kopf. Ich drehte mich schlagartig herum und rannte zurück zum Tor des Außenposten, wo ich gerade noch sah, wie dieses geschlossen ward. "Halt!" schrie ich laut, und schaffte es, die Aufmerksamkeit des WachMannr zu erregen. "Laßt mich kurz noch einmal hinein!" rief ich aus einigen Fotyren Entfernung schnaufend. "Wo ist der junge Mannr? Wo ist der Rotschopf?"
Das Tor ging auf, und der junge Soldat schaute schelmisch heraus. "Rotschopf, was?" Er grinste.
"Entschuldigt bitte meine Wortwahl. Sagt, wo genau brach das Feuer aus?"
"Im Bug", antwortete er so knapp wie zuvor.
"Nein", erwiderte ich ungeduldig, "was finde ich dort im Bug? Die Kajüten? Das Lager?"
Einen kurzen Moment lang stand der Soldat da und stutzte.
"Im Bug befindet sich....die Kombüse!"
weiter >>>