· 23 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29 · 30 · 31 · 32 · 33 · 34 · 35 · 36 · 37 · 38
Des Braumeisters Tod
Autor(en): Moira Wolfsfell
Ich betrat die Gaststätte, hob nur leicht den rechten Arm, um eine Yakhmilch zu ordern und ließ mich am erstbesten, freien Tisch nieder. Noch immer pulsierte das Blut durch meinen Kopf, wenn ich an die Warnung des Korsaren dachte. Nicht, daß ich Angst gehabt hätte - niemals! - aber ein wenig unwohl war mir schon bei dem Gedanken, die Korsaren könnten hinter dem Tod Bráthords stecken. Wie weit war ich ihnen bereits auf die Schliche gekommen? Was erwartete mich, falls ich noch mehr herausfand? Durch die Finger meiner Hand, die ich als Stütze für meine Stirn benutzte, sah ich, wie sich Isagra mir mit langen Schritten näherte. "Bitte, werte Moira. Ich schätze, Ihr habt Euch ein großes Hunr Yakhmilch wohl verdient!""Hm?" ich blickte auf, und beobachtete, wie sie sich immer und immer wieder mit der Hand unter der Nase herumfuhr. Vid Höggr! Ich mußte aussehen, als ob ich mich geschlagen hätte! Ich griff in meinen Lederbeutel, den ich am Gürtel trug, und zerrte ein Stück Stoff zum Vorschein. Dieses tunkte ich in die Yakhmilch und begann, das getrocknete Blut unter meiner Nase wegzuwischen. Als ich fertig war, blickte ich sie an: "Weg?" - "Ja", antwortete sie und verzog angewidert das Gesicht.
"Setzt Euch zu mir, Isagra. Ich brauche Eure Hilfe", sagte ich nun und erhoffte mir einen gedanklichen Tritt, der mich weiterbringen sollte.
Isagra vergewisserte sich noch einmal, ob die Gäste des "Plappernen Wolfes" noch mit ausreichend Yakhmilch und Hedensaft versorgt waren, dann ließ sie sich neben mir auf einem Hocker nieder.
"Isagra, ich stehe vor einem Rätsel. Sagt mir, kennt Ihr Keordis?"
Isagra lächelte stumm und antwortete gleich darauf: "Natürlich. Keordis ist mein Mannr!"
Vid Hyldir! Ihr Mannr? "Euer Mannr?"
"Ja, natürlich. Wußtet Ihr dies nicht?" Verdutzt schaute sie mich mit großen, dunklen Augen an.
"Dann, dann", stotterte ich, "könnt Ihr mir sicher mehr über Keordis erzählen. Nein, besser über Skartur. Oder über den Sohn des Braumeisters!"
Nach einer kurzen Pause, in der sie scheinbar entschied, daß sie mir nichts vorenthalten müßte, erzählte sie mir über Keordis. Er sei ein ehrlicher, tapferer Byrdlydrar der Blymströndervördur gewesen. In zahlreichen Schlachten verteidigte er die Ehre der Walis, bewies seinen Heldenmut und sein Können. Ihr einziger Sohn Skartur wollte schon seit er ein Barning war der Blymströndervördur beitreten, und bei der großen Schlacht um die Blymströnder sollte sein langgehegter Wunsch endlich Wirklichkeit werden. Doch es kam alles ganz anders. Skartur war einer der vielen jungen Menn, die bei der ruhmreichen, doch leider erfolglosen Verteidigung der Blymströnder ums Leben gekommen waren. Das Skepp sank, da in seinem Bug ein Feuer ausgebrochen war. Einzig Keordis und der Smutje konnten sich aus dem Flammenmeer retten.
Ich unterbrach sie: "Der Smutje? Isagra, wißt ihr nicht, wer dies war?" Sie schüttelte verwundert den Kopf. Dabei wirbelten ihre ins Gesicht gefallenen Strähnen sorglos herum.
"Der Smutje des Skepp war Bráthord! Hat er Euch das nie erzählt?"
Stille.
Isagra starrte mich an, als wäre sie einem Istroll begegnet, der Stiefel trug.
"Nein", murmelte sie bitter."Das hatte er mir nicht erzählt."
Ich war nun vollends verwirrt: "Aber, nun sagt mir, was er Euch erzählt hat! Ihr spracht von einem Sohn, der bei dem Unglück gestorben ist. Aber Orgus lebt! Ich habe ihn erst gestern am Hafen gesehen!"
"Nicht Orgus." Sie schaute mich noch immer mit großen Augen an, unfähig, das zu glauben, was ich ihr erzählte. "Hjalgrim! Orgus war nie bei der Blymströndervördur. Sein Bruder Hjalgrim starb auf demselben Schiff wie mein Sohn Skartur."
"Der Sohn Bráthords", sagte ich leise zu mir, und runzelte erstaunt die Stirn. Es erschien mir besser, sie allein zu lassen. Ich hatte das erfahren, was ich wollte.
weiter >>>