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Des Braumeisters Tod

Autor(en): Moira Wolfsfell

Ohne ihn fühlte ich mich verletzlicher als zuvor, spürte ich doch umso mehr die Hitze auf meiner Haut. "Weiter", sagte ich ungeduldig zu mir selbst, und kämpfte mich voran. Der Qualm war mittlerweile so dick, daß ich selbst meine ausgestreckte Hand nicht mehr erblicken konnte. Hustend und keuchend ging ich in die Knie und kroch, mich vorsichtig vorantastend, weiter. Hier war der Raum, von dem aus die großen Gärkessel befüllt wurden. "Weiter, Moira, weiter!" Die Worte formten sich in meinem Kopf, doch ich war müde und wollte ausruhen. Da berührte ich mit meiner Linken einen Gegenstand. Ich ertastete ihn und mußte erkennen, daß es ein Arm war. Schnell erspürte ich im dicken Rauch den Körper, tastete mich zu seinem Gesicht vor und horchte nach dem Atem des Menschen. Nichts. Ich stieß ihn an: "Wach auf!" brüllte ich "Los! Wir müssen hier raus!" Doch er bewegte sich nicht. Ich hob ihn auf und legte ihn über meine Schulter. Mühsam und schnaufend kam ich auf die Beine und verfluchte meine Faulheit der letzten Wochen. Lange hatte ich keine körperliche Arbeit mehr geleistet, so daß mein Körper schwach und verweichlicht war. Die wenigen Übungen im Lanzenstechen und -werfen haben nicht viel gebracht. Das schwere Gewicht des Menschen ließ mich fast zusammenbrechen. Taumelnd und wie im Traume machte ich mich auf den Weg zur Treppe, als ein plötzlicher Ruck mich zusammenfahren ließ. Der Mensch auf meinen Schulter entglitt mir und schlug brutal auf den Boden auf. Es war, als habe er sich irgendwo festgehalten. Ich drehte mich um und tastete nach dem leblosen Körper. Försakret, wie konnte das geschehen? Als ich neben ihm auf meine Knie sank, wurde mir schwindelig. Ich mußte hier raus. Mit ihm oder ohne ihn. Doch vermutlich würde ich hier nicht mehr heil herauskommen, ohne mit den letzten bedrohlich brennenden Balken durch die Bodenplanken hinabgerissen zu werden. Gab es hier irgendwo ein Fenster? Mühsam versuchte ich, mich an die Räumlichkeiten der Brauerei zu erinnern. In welchem Raum war ich eigentlich? War ich nicht eben noch...
Mein Magen rebellierte. Meinen Kopf in meinen Händen aufgestützt versuchte ich, das Gefühl der Übelkeit wieder loszuwerden. Der Ruß klebte auf meiner Zunge, meine Knie und meine Hände schmerzten. Ich bemerkte, wie sich ein schwarzer Schleier von den Seiten aus über meinen Augen ausbreitete. Brauerei...Ja. Es brennt, ich muß einen Weg finden...der Mensch ist tot. Und ich? Es ist heiß. Mir ist heiß. Und mir ist schlecht.
Schwärze umfing mich und ließ mich schweben.



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