Mögen Sie Glabers?
Autor(en): Stefan Vandenberg
"Ja, so ganz habe ich es auch nicht verstanden, jedoch scheint es sehr wichtig, stets die Flamme zu zünden, bevor etwas entnommen wird. Noch im Augenblick der Entnahme bildet es sich dann neu. Das funktioniert hervorragend - bei Flüssigem, bei Festem und ..... bei Fingern!"Rasch ergriff er Moiras Hand, gerade noch rechtzeitig, bevor sie in die obere Flüssigkeit eintauchte.
"Da Ihr sicherlich nicht den Rest Eures Lebens mit sechs oder gar sieben Fingern verbringen wollt, nehmt bitte diesen Kristallstab. Aber lasst Euch nicht aufhalten, es freut mich, dass es Euch schmeckt!"
"Oh verzeiht, ich habe gar nicht darauf geachtet. Die Flamme strahlt keinerlei Hitze aus .... Wahrlich ein höchst merkwürdiges Ding, das Ihr da habt.... Und es funktioniert also auch mit Fingern?"
"Finger, Nasen, neue Haut bei Verbrennungen - alles kein Problem. Dieses Gefäß war mir in vielen Lebenslagen schon eine große Hilfe. Ihr benötigt doch solches zur Zeit nicht, oder?"
"Oh nein, seid ohne Sorge. Alle meine Hand- und Fußwerkzeuge sind noch in ausreichender Anzahl vorhanden. Aber es wäre natürlich eine wunderbare Heilmethode für alle diejenigen, die Körperteile verloren haben und nun unter Einschränkungen leiden müssen. Geht es auch mit Armen oder Füßen?" In ihren Gedanken sah sie sich schon als Statthalterin eines berühmten Kurortes...
Devereux lächelte geheimnisvoll. "Nun dafür, teuerste Freundin, existieren wirklich bessere Verfahren." Und Fréderic, welcher bisher ruhig hinter dem Tresen gesessen hatte, reichte Moira grinsend einen jener modischen, als Unterarmprothese gedachten Haken, welche gerne von den Piraten getragen werden. Ja, hier in Ulfurstud war man wirklich auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse der Kunden eingestellt.
Nachdem sich Moira noch an einigen frisch gerösteten Glabers gestärkt hatte, machte sie sich auf den Weg zurück in den "Plappernden Wolf". Und während sie sich ein Hörnchen frischer Yakhmilch genehmigte, dachte sie - ganz die tüchtige Geschäftsfrau - daran, ob es nicht überaus praktisch wäre, in diesem Gefäß zukünftig die an die Besucher der Stadt kostenlos abgegebene Yakhmilch zu brauen...
Stephan Vandenberg
September 2002