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Moiras Enzy

Autor(en): Moira Wolfsfell

Kapitel 5

Es vergingen viele Wochen, in denen ich in Ställen, alten Schuppen und unter Brücken schlief, bis ich mich wieder unter Menschen traute. Aus Angst, von meiner Sippe entdeckt zu werden, die eigentlich so viele Yarkhan weit entfernt war, hatte ich den Hafen und die umliegenden Gastschenken gemieden. Doch allmählich trieb es mich wieder unter das laute und rauhe Volk der Seeleute.
In die Schenke mit dem verheißungsvollen Namen "Zum saufenden Frysen" kehrte ich ein.
Es war sehr schummrig in diesem Lokal, doch genau das machte es für mich reizvoll. Überall donnerten die Stimmen der Seeleute, sprach der Alkohol aus den Gesichtern und Körpern der lange fortgewesenden Menn. Ich setzte mich an einen Tisch in die dunkelste Ecke des Raumes, bestellte mir ein großes Hunr mit Met und schaute mich neugierig und aus sicherer Entfernung um.
An dem Tisch in der Mitte des Raumes saßen Menn, beschäftigt mit einem Würfelspiel, dessen Regeln ich nach kurzer Zeit herausfand. Es wurden 5 Würfel geworfen. Bei jedem Wurf mußte mindestens ein Würfel zur Seite gelegt werden. Erstes Ziel war es, eine 3 und eine 4 zu würfeln. Nur, wenn diese beiden Zahlen draußen lagen, zählten die anderen nach Augenzahl. Sollte es einer geschafft haben, die 3, die 4 und dreimal die 6 zu werfen, so bekam er statt der 18 Punkte 25. Wenn es ein Spieler sogar schaffte, mit nur einem Wurf eben genannte Zahlen zu werfen, so hatte er das Spiel gewonnen, gewann alle Einsätze, und mußte eine Runde ausgeben.
Die Menn am Tisch spielten um Geld, um Waffen und sonstige Kostbarkeiten. Als ich sie einige Zeit beobachtet hatte, setzte ich mich dazu und spielte mit.
Am Anfang war mir das Glück noch hold, doch was ich soeben gewonnen hatte, zerrann sogleich wieder in meinen Fingern. Als ich meine Axt verspielt hatte, erkannte ich an dem gierigen Blick meines Gegenübers, wie kostbar sie doch sein mußte und wie leichtsinnig ich gewesen bin. Nie würde ich herausfinden, was die Runen auf der Axt bedeuteten.
Gedehmütigt wie ein getretener Hund, verließ ich die Schenke mit nichts weiter, als meinem Helm, dem Erbe meiner Mutter und der Kleidung, die ich an meinem Körper trug.


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