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Dekadent

Autor(en): Grisgrim & Moira Wolfsfell

Moira:

Höggrje! Ich war fassungslos. Da kenne ich Grisgrim seit Jahren, dachte immer, er wäre ein netter, freundlicher Mensch... und was tut er? Spaltet einem Byrdmannr den Schädel! Der Mannr ist wohl völlig durchgedreht!

Zitternd stand ich am Tresen des Plappernden Wolfes. Das Blut, das dem uniformierten Mannr aus dem Schädel lief, suchte sich einen Weg über die Bodenplanken in Ritzen und Spalten, wo es für immer versickern konnte. Angewidert, wie gelähmt stand ich mit weichen Knien vor dem Toten, suchte Halt, fand einen Hocker, lehnte mich an. Und brach mit ihm zusammen.
Das försakret Ding war so kaputt wie alles andere in dieser höggrbjarskördret Taverne! Fluchend stand ich auf und wischte an meinem Rock herum, in der Hoffnung, die Blut- und Hirnflecken loswerden zu können. Doch es half nichts. Ich rieb und wischte, zerrieb mehr, als das ich es loswurde, starrte auf meine roten, blutverschmierten Hände, erinnerte mich an einen Traum, vergaß ihn wieder, ließ die Gänsehaut zu und kapitulierte vor meiner Angst. Entgeistert starrte ich an meiner Kleidung herab. Mein Blick folgte den Schatten meiner Beine. Er fand die geöffneten Augen des toten Byrdmannres.

Wo ich eben noch furchtsam und entsetzt war, übermannrte mich jetzt ein Gefühl, welches die Absicht hatte, sich durch meinen verzweifelten Magen aufwärts in mein Herz zu schmeicheln. Wie alt mochte er sein? 14, 15 Jahre vielleicht... Viel hatte er noch nicht erlebt, dessen war ich mir sicher, was sonst hätte ihn dazu gebracht, auf einen erfahrenen Mannr Grisgrims Statur loszugehen? Hatte er überhaupt jemals eine Ausbildung genossen? War er jemals auf Hymirfahrt gewesen? Warum nur hatte er sich so lebensverachtend in den Kampf gestürzt? Hatte er je sein Leben gelebt?
Meine Gedanken schweiften ab und landeten behutsam bei Isagra. Obwohl ich voll Trauer ob ihres Todes war, musste ich lächeln. Sie war eine fantastische Frau gewesen. Sie hatte Leid erfahren, hatte gekämpft und hatte es den Sorgen nie gestattet, bei ihr oder in ihrer Umgebung Fuß zu fassen.

Ich merkte, wie eine Träne über meine Wange rollte, atmete tief ein und erhob mich. Meine Freundin war tot. Alles um mich herum war verändert. Und sogar der Mannr, der immer rational dachte, der meine wildesten Ideen in gelenkte Bahnen drängen konnte, drehte durch und mordete und schrie und tötete und verletzte und... rannte hinfort.
Ich griff nach einem Hunr, welches erwartungs- und randvoll auf dem Tresen stand und ließ den Met meine Sinne betäuben.

"Mehr Met!" brüllte ich düster und ließ mir noch ein, zwei, drei Hunren füllen, bis ich mich herzlich vom hübschen Wirt verabschiedete und von dannen ging.


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