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Des Braumeisters Tod

Autor(en): Moira Wolfsfell

Ich ging in Richtung Treppe und sah, wie sich aus dem verkohlten Holz dünne, schwarze Rauchfäden kringelten und seelengleich himmelwärts stiegen. Weitere Dachbalken hatten sich den Weg durch die Bodenplanken in das erste Stockwerk gerissen und nur wenige Wände standen hier noch. Vorsichtig belastete ich eine der übriggebliebenen Planken und versuchte, ob mich das Holz tragen würde. Nach wenigen Schritten erreichte ich eine Stelle, an der die Wand eingebrochen war. Ich starrte in hinaus und sah die Bürger der Studur, aufgeregt dabei, Eimer und Krüge mit Wasser zur Brauerei zu bringen. Eine Menschenkette hatte sich gebildet. Einige von ihnen schafften Wasser - vermutlich aus dem Gyldurfjord - heran, andere löschten vom Boden aus die restlichen noch brennenden Wände und Balken. Andere hatten sich bis auf das erste Stockwerk hoch gewagt, von wo aus sie Wasser mit großer Kraft aus dem Eimer auf das noch schwelende Reisigdach schwangen, um das Hyrd vor den letzten Flammen zu retten. Dankbar schaute ich hinab. Ich setzte mich zaghaft auf einen hoffentlich tragenden Balken und wartete. Irgendwann würde ich entdeckt werden. Und irgendwann würde man mich von hier oben herunterholen. Doch solange hatte ich Zeit, die Ereignisse einzuschätzen und etwas zur Ruhe zu kommen. Ich zog die eisige Luft in meine Lungen und ließ den kalten Wind meinen Körper umwehen. Erst jetzt bemerkte ich einige verbrannte Stellen auf meiner Haut. Ich spürte jedoch nichts.
Müde lehnte ich mich zurück und meine Gedanken wirbelten um nur eine Frage:
Wie hatte hier ein Feuer ausbrechen können?

Es dauerte nicht lange, bis Hilfe kam, und mich von meinem undankbaren Posten hoch über den Köpfen der Neugierigen befreite. Hustend und rußverschmiert hatte ich nach kurzer Zeit wieder festen Boden unter den Füßen. "Wie konnte dies geschehen?" - "Stadthalterin Wolfsfell! Was ist passiert?" Fragen stürzten auf mich ein, die zu beantworten ich mich noch nicht in der Lage fühlte. Also trottete ich müde und erschöpft geradewegs durch den Menschenauflauf hindurch die Straße hinunter, bis ich an meiner Hütte ankam. Dort zog ich das Fell der Tür schnell hinter mir zu und legte mich auf meine Schlafstatt. Nicht viel später war ich eingeschlafen.

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