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Des Braumeisters Tod
Autor(en): Moira Wolfsfell
Als es an meine Tür hämmerte, war ich schlagartig wach. Erschrocken und mit klopfendem Herzen zog ich Luft durch meine rasselnden Lungen und ein leichtes Schwindelgefühl breitete sich in meinem Kopf aus. Meine Schläfen pochten, und ich bezweifelte, daß dies auf den eisigen Zusammenstoß des heutigen Morgens zurückging. "Das Feuer...", erinnerte ich mich und ertappte mich dabei, wie ich mit mir selbst sprach. Mühsam kam ich auf die Beine und wankte zur Tür. Die Luft in meiner Hütte stank wie ein ausgetretenes Feuer. Erst jetzt bemerkte ich, daß dieser schwelige Geruch aus meiner Kleidung und meinen Haaren ausging. Ich schaute an mir herunter und erkannte verbrannte Stellen an meinen Beinkleidern, der Tunika und meinen Armen.Es klopfte wieder - doch diesmal eindringlich und nervös. "Moira! Ist alles in Ordnung?" hörte ich meinen Werir Grisgim von draußen rufen. Es kam nicht oft vor, daß er mich mit einem Besuch beehrte, so bat ihn herein. "Heh, Grisgrim! Kommt herein!" Er zog das Fell, welches mein Hyrd vor der eindringenden Kälte schützte und als Tür diente, zur Seite und blieb dann stehen.
"Alles klar?" murmelte ich verschlafen. Seine Mundwinkel zuckten und seine Miene verfinsterte sich einen Moment ob der fehlenden Unterwürfigkeit seiner Unfreien; doch fast mitleidig sah er mich dann an und antwortete: "Mir geht es gut, aber was ist passiert? Ihr seht furchtbar aus!"
Das konnte ich gerade noch gebrauchen. Meine Lungen stachen, als ob ich einen Igel eingeatmet hätte, meine Haut brannte, mein Kopf hämmerte in dumpfen, dröhnenden Tönen und ich stank nach einer abgebrannten Brauerei. Ich drehte mich um und warf mich auf meine Schlafstatt. Ich sehnte mich nach einer beruhigenden Stimme, nach etwas Trost und einem großen Krug Hedensaft - nicht nach Beleidigungen! "Was wollt Ihr?" knurrte ich ihn an.
Grisgrim zog sich einen Hocker unter dem am anderen Ende des Raumes stehenden Tisches hervor und ließ sich dort nieder. "Die Hedensaftbrauerei ist bis auf die Grundmauern zerstört!"
Ich schaute ihn finster an: "Ach was?" fragte ich zugegebenermaßen recht zynisch.
"Ich weiß, daß Ihr im Feuer wart. Doch, wie konnte das passieren, Moira? Was ist dort geschehen? Wie kann eine Brauerei einfach abbrennen? Hat jemand ein Feuer gelegt? Was es gar ein Angriff der Horde der Finsternis?" Ich lächelte. Nicht, daß ich über meinen Werir lachen mußte, nein, auch war ich gerade an diesem Tage nicht zu einem humorvollen Gespräch aufgelegt, doch das Unschuldige an Grisgrims Verhalten erheiterte mich. "Edler Werir", sagte ich ruhig und wurde eine kurze Zeit von einem Hustenanfall geschüttelt. Als sich mein Atem beruhigt hatte, fuhr ich fort: "Es war ein Unfall." Ich war mir nicht ganz im Klaren darüber, weshalb ich Grisgrim dies erzählte. Etwas in meinem Innern sagte mir, daß das Feuer, welches die Brauerei zerstört hatte, ganz und gar kein Unfall war. Vielleicht tat er mir leid. Vielleicht wollte ich einfach, daß es ein Unfall war, über den sich der Werir nicht auch noch seinen Kopf zerbrechen mußte. Vielleicht war ich aber auch einfach zu faul, noch weiter Erklärungen abzugeben. "Nun geht nach Hause. Ich werde mich gleich morgen als erstes um den Wiederaufbau der Hedensaftbrauerei kümmern!"
Grisgrim erhob sich von dem Hocker und betrachtete mich mitleidig: "Moira, es tut mir leid, aber das werde ich nicht tun."
"Raus hier!" brummte ich und drehte mich um, um zu schlafen.
Ich schloß die Augen und hörte, wie sich Grisgrim entfernte. Das Wischen des Fells, welches an der Tür hing, dann ein Murmeln. Statt der erwarteten sich entfernenden Schritte hörte ich nun Menn, die in mein Hyrd drängten. Erschöpft drehte ich mich um, und starrte dann in die Augen eines Soldaten, der sich vor meiner Schlafstatt aufgebaut hatte. Hinter ihm standen drei weitere Menn, unter ihnen Grisgrim, der ein verbittertes Gesicht machte.
"Was soll das?" ärgerte ich mich. "Geht fort und laßt mich endlich schlafen!"
"Moira Wolfsfell, Stadthalterin von Ulfurstud", begann der junge Soldat, der direkt vor mir stand: "Wir müssen Euch leider in den Kerker bringen. Die Möglichkeit liegt nahe, daß Ihr es ward, die das Feuer gelegt hat, um die Hedensaftbrauerei abzubrennen."
Ich starrte zuerst ungläubig den Soldaten an, dann den Werir. "Ist das Euer werter Ernst?" fragte ich, doch ich wußte, welche Antwort ich zu erwarten hatte.
"Macht es mir nicht noch schwerer, als es sowieso schon ist", sagte Grisgrim bitter.
Dann ließ ich mich von den Soldaten der Blymströndervördur abführen.
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