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Lost in Spheres
Autor(en): Moira Wolfsfell, Grisgrim
Schnaufend und schwitzend erreichte ich die Hedensaftbrauerei, die, so muß ich gestehen, auf der falschen Seite der Straße lag. Nun, auch ich kam aus der falschen Richtung.
Ich beschloß, daß es besser wäre, mein scheinbar krankes Hirn zu schonen, und nicht mehr darüber nachzudenken. Da sah ich auch schon Grisgrim, wie er aufgeregt mit einem Mannr der Blymdströndervördur diskutierte. Ich erhaschte lediglich den letzten Satz des jungen Mannr...
"Wie, was?" Ich startete durch und überrannte den jungen Soldaten fast: "Was soll das bedeuten, Waligoi ist verschwunden? Was meint ihr, auf welchem Boden ihr eure Füße parkt?"
Entgeistert schaute ich zuerst ihn, dann Grisgrim an. Wie auch mir, rannen dicke Schweißperlen über dessen Gesicht. "Moira beruhigt euch erstmal."
Es war nicht schwer zu erkennen, daß Grisgrim bitter versuchte, seine Verwirrung mit einem Übermaß an Ruhe zu verbergen. "Moira, geht ins Höfdhingrádhyrd und wartet dort auf mich. Der Flutydlydrar hat hier wichtige Dinge zu besprechen."
Hah! Das sollte ihm so passen! Von wegen auf ihn warten! Soweit kommt's noch!
"Werter Werir, was hier geschieht, ist doch nicht normal! Mein Hyrd, die Straße, die Brauerei", ich schaute mich um, " ganz
Ulfurstud ist verdreht!"
"Wenn hier jemand verdreht ist, dann seid ihr es, Werteste." Und nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: "Und ihr, Byrdmannr! Waligoi verschwunden... Blödsinn!"
Anstatt ins Höfdhingrádhyrd zu verschwinden, ließ ich die beiden dekorierten Blymdströndervördur-Soldaten stehen und begab mich in den "Plappernden Wolf", der für diese Tageszeit erstaunlich gut besucht war. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, und üblicherweise entschwanden die meisten Gäste um die Mittagszeit. Den Grund dafür werde ich wohl nie erfahren...
Ein seltsam fauliger Geruch durchströmte die Gaststätte und brannte in meiner Nase. Das war nicht der übliche Duft von Yakhmilch und Hunyngkrott (Honigtopf), den ich dort roch; es war viel mehr ein Gestank, der mich an meine letzte Hymirfahrt erinnerte, als einem walischen Krieger nach einem Kampf der linke kleine Zeh abgefault ist. Schnurstracks schob ich mich durch die Menschenmenge zu Isagra, der Kellnerin des "Plappernen Wolfes".
"Moira! Da seid ihr ja endlich! Wo habt ihr nur so lange gesteckt?"
Ich faselte etwas von verkehrter Welt und daß die Brauerei an der falschen Seite der Straße liege und ließ dann Isagra wieder zu Wort kommen. "Es ist wie verflucht! Die gesamten Vorräte sind verfault!"
"Bjarskördret!" fluchte ich wild - es war mir egal, ob irgendwelche försakret barningen hier herumstromerten - "das ist doch nicht möglich!"
Dann begriff ich (wohlgemerkt!) langsam: "Was ist mit dem ganzen Eis geschehen, welches das Fleisch, den Fisch und das Gemüse kühlhalten sollte?"
Mit einem an meinem Verstand zweifelnden Blick schaute mir Isagra in die Augen: "Aber habt ihr nicht bemerkt, wie heiß es plötzlich geworden ist? Alles Eis ist über Nacht geschmolzen und hat eine große, stinkende Brühe aus vergammelten Fleisch- und Fischbrocken hinterlassen!"
"Ach, das merkt doch eh niemand!" Ich winkte ab. "Ein bißchen Hunyng und Kräuter drüber, dann wird keiner was sagen... Die fressen doch alles, was ich ihnen vorsetze!"
Isagra riß entsetzt die Augen auf.
"Nun gut", sagte ich und ärgerte mich, daß man meinen Anweisungen nicht Folge leistete, "dann werde ich wohl zum Lagerhyrd rübergehen und neue Waren kaufen müssen. Und ihr, werte Isagra, werdet den Schlamassel in der hyrdlichen Speisekammer beseitigen."
Froh, um die widerliche Arbeit herumgekommen zu sein, ließ ich sie stehen und ging hinaus.
Ich fand, daß es nur gerecht war: Wer weiß, welch abartige Aufgaben mein Werir noch für mich bereithielt.
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