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Des Braumeisters Tod

Autor(en): Moira Wolfsfell

Ich schlief sehr schlecht auf der hölzernen Pritsche des Kerkers und erwachte am nächsten Morgen mit einem Brummschädel. Da lag ich nun. Ich hatte versucht, ein Leben zu retten, hatte mich durch Feuer und Rauch geschlagen und wäre selbst fast dabei draufgegangen. Und was war der Dank?
Ich saß in einem dunklen Kerkerloch, dessen Wände feucht und mit Eis bedeckt waren. Dicke Eiszapfen hingen von der Decke herab, und ich war froh, nicht des nachts von einem derer erschlagen worden zu sein. Ich schälte mich aus meiner Pritsche und streckte mich. Der Rücken knackte laut und mir entfuhr ein stilles Seufzen. Ich schlurfte zur hölzernen und mit Metall beschlagenen Tür und hämmerte mit beiden Fäusten dagegen. "Grisgrim, Ihr försakret Istroll!"
Es erschien mir wie eine Ewigkeit, bis ich Schritte hörte, und meine Handflächen waren bereits taub vor Kälte und dem ständigen Schlagen gegen die Kerkertür. Ich hörte Schlüsselklappern und wie einer von ihnen in das Schloß an meiner Zellentür geschoben wurde. Ein metallenes Geräusch, ein lautes Quietschen der Scharniere, und die Tür war offen. Vor mir stand ein junger Soldat mit der blau-grünen Uniform der Blymströndervördur. Eigentlich nett anzusehen, der junge Bursche. Die grünen Beinkleider, die sich an seine muskulösen Beine schmiegten, das blaue Hemd - er sah aus, als wollte er sich auf einer sonnenverwöhnten grünen Wiese tarnen wollen. Ich hielt ihn für zu jung, um in den Krieg zu ziehen. Er sah aus wie ein Yakhmilchbubi, und ich wunderte mich, daß solch junge Menn in den Krieg geschickt wurden. Der junge Soldat ging ein Stück zur Seite, und ich entdeckte Grisgrim, wie er mich verbittert anschaute. "Yrr kvedret, Moira", sagte er kleinlaut.
Ich wartete ab. Eigentlich wollte ich ihm um den Hals fallen. Nicht aus Freude, ihn zu sehen, eher mit dem Wunsch, ihm seinen Hals umzudrehen, solange zu würgen, bis er blau anlief. Doch ich war mir meiner Lage durchaus bewußt. Ich ließ es. "Ja?" säuselte ich also.
"Wie soll ich es sagen?" Der Werir hatte durchaus Schwierigkeiten, mir zu gestehen, was hier vor sich ging. "Ich mußte Euch einfach in den Kerker werfen lassen! Schließlich ward Ihr die einzige, die seelenruhig auf einem Balken der Brauerei saß. Was hattet Ihr dort zu suchen?"
Ich holte Luft, um zu antworten, doch noch ehe ich dies tun konnte, unterbrach er mich mit einer einhaltenden Geste: "Es sah alles so aus, als ob Ihr es ward, die das Feuer gelegt hat! Ihr ward zur falschen Zeit am falschen Ort."
"Wäre ich einen Moment früher gekommen, wäre es andersherum gewesen. Dann wäre ich zur rechten Zeit gekommen, um den Braumeister zu retten!" Ich war sehr, sehr ärgerlich, und die kalte Luft, die mich umwehte, der feuchte, moderige Gestank machten es nicht besser.
"Geht nach Hause", brummte Grisgrim nun und trat einen Schritt zurück, um mich hinaus zu lassen. Doch ich verharrte an Ort und Stelle. "Wie?" fragte ich, als würde ich nicht verstehen.
"Geht nach Hause, es war ein Mißverständnis. Drei Kunnyren, die am frühen Morgen auf dem Weg zum Marktplatz waren, haben Euch gesehen, wie Ihr aus der Richtung Eures kleinen Hyrds kamt."
"Wie?" fragte ich erneut, diesmal nicht ohne entgeisterten Unterton.
"Geht!" rief er unwirsch, und leise, sehr, sehr leise fügte er hinzu: "Es tut mir leid."
Ich stieß in unsanft zur Seite und rauschte aus dem Kerker. Der junge Soldat, der gerade noch die Kerkertür aufgesperrt hatte, lief mir hinterher, um den Wachen, die mich aufhalten wollten, schnaufend mitzuteilen, daß das "schon in Ordnung" ginge.

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