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Des Braumeisters Tod
Autor(en): Moira Wolfsfell
Wütend und unausgeschlafen erreichte ich mein kleines Hyrdslytt, warf mich auf meine Schlafstatt und versuchte, mit vor Ärger pochendem Herzen einzuschlafen. Als ob ich eine Brandstifterin wäre!Ich zupfte die Wolldecken zurecht und legte noch ein Fell über meinen zitternden Körper. "Unglaublich", brummte ich böse und schlief dann doch endlich erschöpft ein.
Wenige Hunren später wachte ich auf. Der Ärger war verflogen und ich begann, die Taten des Werirs, den ich ja doch irgendwie ganz gern hatte, zu verstehen. Was hätte er denn tun sollen? Es war wirklich offensichtlich, daß ich etwas mit der Sache zu tun haben könnte...
Aber Hymmur, söbur, snur! Der heimskurd Werir yr Istrollen hätte doch wenigstens fragen können.
Müde schleppte ich mich zu der Feuerstelle und entfachte ein kleines Feuer. Diesmal würde eine kurze Wäsche nicht nützen. Ich schaute zurück auf meine Schlafstatt und die Decken und Felle, die nun rußbefleckt waren. Ich müßte sie wohl bei nächster Gelegenheit in die Aolai-Wäscherei geben müssen, doch fürs erste sollte es reichen, wenn ich sie in eine Truhe warf und mit einer sauberen Wolldecke tauschte. Ich goß frisches Wasser in einen großen Kessel und stellte ihn aufs Feuer. Anschließend ging ich vor meine Hütte und holte den großen Zuber, den ich meistens für meine Wäsche, selten aber auch für ein entspannendes Bad benutzte. Als ich damals den Menn, die meine Hütte bauten, einige Hunren Hedensaft im "Plappernden Wolf" versprochen hatte, gruben sie eigens für mich einen kleinen Brunnen neben meinem ansonsten bescheidenen Hyrdslytt. Niemand mußte dies wissen, doch war ich, gerade an kalten Tagen wie diesen, mehr als dankbar ob der Annehmlichkeit, die ich mir mit einem heißen Bad mit frischem Wasser leisten konnte. Krug um Krug schleppte ich von meinem Brunnen zur Feuerstelle und schüttete das vom Feuer erhitzte, dampfende Wasser in den Zuber, um gleich einen nächsten Kessel aufzusetzen. Nach einer ganzen Weile harter Plackerei ließ ich mich mit leichtem Seufzen in dem Zuber, dessen Wasser nach Zimt und Blumen roch, nieder. Eine Kunnyr des Wasservolks hatte mich vor nicht allzu langer Zeit mit einem Geschenk beehrt: Einem wohlriechenden Badeöl, welches ich nur zu bestimmten Anlässen zu benutzen pflegte. Und dies war ein bestimmter Anlaß: Ich stank wie ein Räucherlachs!
Die offenen Wunden an meinen Armen brannten so sehr, daß mir Tränen in die Augen schossen, als ich in das heiße Wasser glitt, doch ich versuchte, den Schmerz zu ignorieren und mich stattdessen auf meine zukünftigen Aufgaben zu konzentrieren.
Die Hedensaftbrauerei, größtes Hyrd Ulfurstuds - abgebrannt! Der Braumeister tot. Sollte ein Gärkessel explodiert sein? Hätte man dann nicht einen lauten Knall gehört? Oder entwich der Weingeist, gerade, als der Braumeister ein kleines Feuer entzündete, um einen Schwarzbohnentrunk zu kochen?
Ich beschloß, nach meinem Bad zur Brauerei oder dem, was noch davon übrig war, zu gehen und mir das ganze einmal genau anzuschauen.
Nach Zimt und Blumen duftend verließ ich meine Hütte.
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