Zum Hügel
Autor(en): André Jarosch
Namora hatte schon immer hier gelebt, so lange sie denken konnte. Nicht nur seit Beendigung der Finsternis, sondern auch weit davor, jedoch konnte sie sich nicht an den Zeitraum vor der Finsternis erinnern. Vielleicht war das zu lange her, vielleicht entstand sie auch im Verlauf der Finsternis... sie konnte sich einfach nicht erinnern. Namora war eine Oreade, eine Hügelnymphe, ein Naturgeist, dessen Kraft aus dem Hügel kam, dessen Verkörperung sie darstellte. Die Macht dieser Feenart war auf und in ihrem Hügel annähernd unbegrenzt, doch endete sie mit den letzten Ausläufern des Hügels. Namoras Hügel war weder besonders imposant, was seiner Macht aber keinen Abbruch tat, noch sehr weitläufig. Dies beeinflußte jedoch ihr Bewegungsfeld, denn sie konnte sich nicht über ihren Einflußbereich hinausbewegen. Das Leben einer Oreade in Waligoi war nicht besonders spektakulär: Im Frühjahr erwachte sie und erfreute sich am Wachsen der Bäume, dem Blühen der Blumen, den unherschwirrenden Insekten, dem Liebesspiel der Vögel und den anderen Tieren, die auf der Wiese und im Wald ihre Jungen bekamen. Im Sommer genoß sie die kurze Zeit der langen Tage mit viel Sonne und den regelmäßigen Kontakten mit den jetzt zahlreich umherstreifenden Tieren, die sich dort ihres Lebens erfreuten. Im Herbst wandelte sich der Anblick der Natur, doch auch dies war schön: die sich von gelb zu rot zu braun umfärbenden Blätter, die Brunftzeit des Wildes und die ersten Stürme, die schon manchmal den ersten Schnee brachten. An allem konnte sie sich erfreuen. Mit dem ersten starken Bodenfrost begab sie sich dann zurück in die Erde, um in ihrem Hügel zu überwintern. Eine besondere Freunde waren ihr aber die unregelmäßigen Besuche anderer Naturgeister, wie der wenigen in Waligoi umherfliegenden Kleinfeen, der ebenso selten herumtollenden Kobolde (am häufigsten waren dabei die Windkobolde) oder noch seltener der Zwerge oder Elfen. Die mit Jahks und Wagen vorbeiziehenden Heden oder die mit dem Schiff hier anlegenden Gauten, mit denen sie ihre Natur völlig ausleben konnte, waren ihr jedoch der liebste Zeitvertreib. Nicht umsonst trug ihre Art die Bezeichnung Nymphe...
Dies war jahrein jahraus dasselbe Spiel.
Doch diese Situation war nun etwas völlig Neues für die Fee. Namora war interessiert an den neuen Möglichkeiten, die sich ihr nun boten. Dieses Badehaus sollte eine Kultstätte der Sinnesfreuden werden... Mit den ihr eigenen Mitteln, einem Menschen nie enden wollende körperliche Wonnen zu bereiten, konnte sie sich mit Slaceo einigen und sah der Zukunft recht zuversichtlich und mit viel Neugier entgegen.
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