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Windspiel
Autor(en): Moira Wolfsfell
Ich wußte nicht, wohin er mich führte, doch es war mir egal. Seltsamste Gestalten schwirrten um meinen durchsichtigen Kopf herum und versuchten, in ihn einzudringen. Aus dem leuchtenden Dickicht der dunkelroten Bäume starrten gelbe Augen hervor, drohend, unheimlich. Die Natur um mich herum begann zu tanzen, forderte mich auf, forderte mich heraus, tanzte, drehte, verdrehte, eins, zwei, Wechselschritt. Musik drang in mein Ohr und floß durch meinen Kopf, durchflutete meine Gedanken, bildete einen reißenden Strom und mündete gurgelnd und zischend in der ozean'schen Endlosigkeit. Die Kriegsflotte mit mir als Kapitän auf Hymirfahrt. Mein Schiff, groß wie eine ganze Studur, überragt die Wellen, ist überragend, kämpft mit den Wogen und der schäumenden Gischt auf der Suche nach dem Meeresgrund, dem Grund für all das. Die eiskalte Hand der See umfaßt meinen Hals und nimmt mir die Worte. Gleichzeitig droht sie, mir die Luft zu stehlen, ich ängstige mich zu Tode
Ich schließe die Augen und sehe den ruhenden Wald.
Was sollte mich schon bedrohen? Ich war doch eins mit der Umgebung, schwebte losgelöst über dem sandigen Boden. Harmoniedurchtränkt erhob ich mich in den blauen Himmel, Tyggris und alles Bodenständige verlassend.
Mein Körper ignorierte geflissentlich die Schwerkraft und die Tatsache, daß er sich gefälligst auf dem Boden tummeln und nicht in der Luft befinden sollte. Es schien ihn zu amüsieren, daß er dem Gehirn, welches verwundert auf den immer kleiner werdenden Byrdmannr glotzte, einen Streich spielen konnte; daß er die Kontrolle hatte und nicht diese arrogante Walnuß, die ihm sonst die Befehle gab.
Der Weg, auf dem Tyggris meinte, sein Ziel zu finden, verschmälerte sich zu einem Strich auf der Landkarte. Die Bäume verschmolzen zu einer dunkelgrünen Fläche, und der warme Wind gurgelte mir um die Ohren. Hoch über dem Boden vollzog ich Trockenübungen, gleich einem Kind, welches auf dem elterlichen Holztisch das Schwimmen erlernte - Ich flog!
Ich schwebte, setzte zum Sturzflug an, bog meinen Körper, zog ihn hinauf in luftige Höhen, war eins mit dem Wind und der samtigen Luft. Meine Hände fügte ich zu einem Dreieck zusammen, vielleicht würde ich so schneller werden, streckte die Ellenbogen für einen weiteren Sturzflug. Fast hätte ich einen Schneehasen gestreift, der mir von Neugier beflügelt entgegenkam, doch ich schaffte es, ihm galant auszuweichen und mich wieder in die Lüfte zu erheben.
Die Sonne, die vorhin, damals, irgendwann noch so erbarmungslos herabschien, lockte mich wie einen Nachtfalter zu sich. Ich nahm Schwung und schoß hinauf in das herrlichste Blau, das ich jemals gesehen habe. Mit der Sonne als Ziel...
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